Ocean Quest ----------------------------------------------------------16. 11. 2000 Aruba

Vom 4. bis 18. Nov. war die karibischen Insel Aruba Schauplatz eines bisher einmaligen Tauch-Events. Der Kubaner Pipin Ferreras, mit -162m tiefster Mensch der Welt, und lebende Legende der Apnoe-Szene, konnte den Tourismusverband und zahlreiche Sponsoren in Aruba für seine Idee begeistern, einige der bekannten Freitauchgrössen einzuladen.

Der Franzose Loic Leferme, mit -152m aktueller AIDA -Weltrekordhalter, Audrey Mestre mit -125m tiefste Frau der Welt, ebenfalls aus Frankreich, und Mandy Cruickshank aus Kanada standen auf der kleinen Wunschlis-te von Pipin Ferreras.

Auch mit mir nahm Pipin Kontakt auf. Mit zwei Weltrekord-Tauchgängen auf -110m "No Limits" und -66m konstantes Gewicht im See, konnte ich bereits international auf mich aufmerksam machen. Geschmeichelt sagte ich zu, und flog in Begleitung eines Kameramannes nach Aruba.

Uns fünf Freitauchern stand ein grosser Katamaran zur Verfügung, um die täglichen Trainingstauchgänge zu absolvieren. Professionelle Mischgas-Taucher die auch bisherige Rekordversuche von Pipin begleiteten, sorgten für die nötige Sicherheit unter Wasser. Drei Weltrekordmarken sollten nach dem zweiwöchigem Training verbessert werden.

No Limit im Tandem-Versuch ist eine neuartige Herausforderung. Zwei Athleten bereiten sich gemeinsam vor und werden von einem speziellem Tauchschlitten gemeinsam in die Tiefe gezogen. Der extreme Einzelsport wird so zum Teamwork.

Jeder von uns hat bereits Rekorde gebrochen. Dabei haben sich viele verschiedene Techniken entwickelt, die bei einem Tandemversuch unter einen Hut zu bringen sind. Die Atemvorbereitung muss auf den Partner abgestimmt werden, denn der letzte Atemzug erfolgt gleichzeitig. Hat der Eine Probleme und stoppt den Tauchgang, ist für beide Schluss.

Als gestecktes Ziel sollten Audrey Mestre und Mandy-Rae Cruickshank als erstes Frauenteam gemeinsam die -100m Marke erreichen. Ferreras wollte erst mit mir in -116m Tiefe hinab tauchen und einen Tag später mit Loic Leferme die -118m Marke erreichen. Ich musste also meine bisher-ige Bestmarke 110m verbessern.

Da Freitauchgänge im warmen und klarem Meerwasser leichter fallen als im See, machte ich schnell Fortschritte. Leider verschlechterte sich die Wetterlage um Aruba so, dass geplante Trainingstauchgänge oft Wind und Wasserströmung zum Opfer fielen.Trotzdem gelingt Loic zusammen mit mir, im abschliessenden Training ein Tauchgang in -122m Tiefe. Nur eine Trainingsleistung, kein Weltrekord, aber der tiefste Tauchgang den zwei Freitaucher jemals zusammen absolviert haben.

So herrscht Zuversicht während der abendlichen Pressekonferenz, vor dem ersten Rekordtag. Obwohl sich Wind, Wellen und die gefährlichen Strömungsverhältnisse am Tauchplatz verschlechtert haben, erreichen Audrey Mestre und Mandy-Rae Cruickshank am 17. Nov. die -100m.

Die angereisten Journalisten hatten auf einem eigens dafür vorbereiteten Boot die Möglichkeit den Tauchgang hautnah mitzuerleben. Da das Wet-ter keinen zweiten Apnoe-Versuch zulies, wurde der für den selben Tag geplante Rekordversuch von Pipin und mir auf den 2. und letzten Rekord-tag verschoben.

Doch auch am 18. Novenber hatte der Wettergott kein Einsehen. Das am Tauchplatz auf dem Meeresgrund befestigte Ankerseil, an dem bisher die Boote befestigt wurden, konnte nach langer Suche leider nicht gefunden werden. Pipin Ferreras beschloss nach Rücksprache mit allen Beteiligten die Boote treiben zu lassen, um Angesichts der angereisten Journalisten in jedem Fall einen Rekordversuch zu wagen.

Die Entscheidung fiel auf die Kombination Pipin Ferreras - Loic Leferme. Die auf -118m vermessene Leine wurde zusammen mit dem Schlitten zu Wasser gelassen. Die Vorbereitung der beiden Rekordjäger lief wie die Tage zuvor, nur wurden sie von den anrollenden Wellen erheblich gestört. Pipin löste die Bremse des Tauchschlittens und beide verschwanden von der Wasseroberfläche.

Nach 2 min tauchte ich zusammen mit einem weiteren Freitaucher am Führungsseil ab, um Pipin und Loic an die Wasseroberfläche zu beglei-ten. Als der Hebesack mit den beiden aus dem Wasser schnellt bricht Beifall los, doch schon nach wenigen Sekunden ist es wieder still.

Pipin Ferreras ist für ca. 20sec. ohnmächtig. Der Rekordversuch deshalb gescheitert. In der max. Tiefe angekommen vergingen ca 20 sec. bis sich der Hebesack nur mit grossem Kraftaufwand vom Tauchschlitten trennen liess. Stress für die Taucher, der den Sauerstoffverbrauch erhöhte. Da es ein ähnliches Problem mit dem Hebesack bereits Tage zuvor bei einem Tauchversuch von Pipin und mir gab, wird nun erst die Verbindung von Hebesack und Schlitten überarbeitet, bevor es weitere Tauchversuche mit dem Tandemschlitten gibt.