| Als
die Boote um 12:10 Uhr in Burgau am Attersee ablegten, um zum
Tauchplatz zu fahren, hingen dunkle Wolken am Himmel. Aufkommender
Wind hat dann einen ersten Anlauf gestoppt, da die Boote in den
flachen Bereich des Sees abgetrieben sind. Ein starker Platzregen
zehrte dann noch zusätzlich an denn Nerven, so dass ich mit
dem Gedanken spielte das Vorhaben abzubrechen. Doch dann verbesserte
sich das Wetter und die Vorbereitungen für den Tauchgang
liefen wie geplant.
Der
Tauchschlitten wurde zu Wasser gelassen, und eine Videokamera
daran montiert. Die in ein druckfestes Spezialgehäuse verpackte
Mini-DV begleitet mich auf dem Weg in die Tiefe und dient so als
Beweismittel. Als alle Sicherungstaucher im See auf ihren Einsatz
warten, ließ ich mich vom Boot ins Wasser gleiten. Der Tauchschlitten
hat ein Gewicht von 40 kg. Ich hielt mich daran fest und kontrollierte
mehrmals die Mechanik.
Die
alte Rekordmarke lag bei -112m. Ein Konkurrent hatte die 110m
vom vergangenen Jahr überboten, jetzt war ich wieder am Zug.
Der Countdown lief. Meine Sicherungstaucher begaben sich unter
Wasser und nahmen die abgesprochenen Positionen am Seil ein. Bis
in -60m Tiefe werde sie mich begleiten, den Rest muss ich alleine
zurücklegen.
Die
völlig durchnässten Zuschauer und Journalisten sahen
gespannt mit an wie ich nach einem letzten Atemzug im See verschwand.
Auf dem Weg nach unten vibrierte das Führungsseil, an diesem
Geräusch kann man mit etwas Erfahrung die Geschwindigkeit
ableiten, im Schnitt ca. 2m pro sec. An meinem Gefährt ist
zwar eine Lampe in Kopfhöhe montiert, ich habe aber nicht
vor meine Augen zu öffnen.
Nach
1min 30sec war die Fahrt zu Ende. -120 Meter sind erreicht, neuer
Weltrekord im See. Die Wassertemperatur liegt hier unten bei 2
Grad, nur unter diesem gewaltigem Druck ( 13 Bar ) kann Wasser
so kalt werden. Meine Lunge, mit 10 Litern Luft gefüllte,
ist faktisch leer. Der Puls fällt unter 30 Schläge in
der Minute.
Die
Taucher am Seil warten auf meine Rückkehr und blicken in
die dunkle Tiefe. Mit geschlossenen Augen aktiviere ich den Hebesack,
der mich wieder zurück an die Wasseroberfläche bringen
wird. Erst hatte mich der schwere Schlitten in die Tiefe gerissen,
jetzt zerrte mich der mit Luft gefüllte Hebesack dem Licht
entgegen.
In
20m Tiefe liess ich wie immer den rasend schnellen Fahrstuhl los
und zog mich langsam am Seil hoch. Der Druckabfall vom meinem
Körper kann dann schonender vonstatten gehen. Mit geballter
Faust durchbrach ich dann die Wasseroberfläche und jubelt
sofort los. 3min lang war ich im See verschwunden. |