Der Berg ruft

Den Ruf der Berge hatte ich auch schon vor meinem Unfall vernommen, nur war da eben auch die Taucherei, die mich dann so in Anspruch nahm, dass ich leider nur wenige Male Höhenluft schnuppern konnte.

Noch im Rollstuhl sitzend war mir klar, sollte ich wieder laufen können, dann werde ich mit meiner Familie viel Zeit beim Wandern in den Bergen meiner Heimat verbringen. Ein Jahr hat es gedauert bis dieser Wunsch in Erfüllung ging. Lange Fußmärsche war ich mittlerweile gewohnt, großer Höhenunterschied und unebenes Gelände kosteten mich noch einiges an Überwindung.

Als mein Freund Dr. Urs Braumandl seinen Geburtstag auf einer einsam-en Berghütte im Bayerischen Wald feiern wollte, war das die passende Gelegenheit meine Bergtauglichkeit zu testen. Vorsorglich haben wir ein Shuttleservice organisiert, sollte es doch zu anstrengend für mich sein. Aber es lief fantastisch. Die veranschlagte Gehzeit für Wanderer ohne Handicap lag bei 3 Stunden, ich wollte mir wenn nötig genügend Pausen gönnen und haben mit 5 Stunden gerechnet. Ich schaffte den Aufstieg zum „Verlorenen Schachten“ auf 1140m in 3,5 Stunden ( 400m Höhen-unterschied ) und war überrascht, dass auch schwieriges Gelände mir keine Probleme machte.

Während der Therapie in der Rehaklinik versucht der Krankengymnast mit allen möglichen Hilfsmitteln wie Trampolin, Schaukelbrett oder Wippe un-sicheren Stand zu provozieren, um die natürlichen Ausgleichsreaktionen zu trainieren. Bei diesen Wanderungen über Stock und Stein mache ich das permanent und über Stunden. Und was soll ich sagen, es macht mir auch noch Spaß.

Wir blieben über Nacht auf dem „Verlorenen Schachten“ und marschiert-en am nächsten Morgen wieder ins Tal zurück. Als mein Therapeut von einer deutlichen Verbesserung beim Gehen tags darauf sprach, war der Entschluss gefasst diese Wanderungen regelmäßig zu planen.

Ich hoffe ein goldener Herbst liegt vor uns, der uns jedes Wochenende erlaubt mehr oder weniger anspruchsvolle Touren zu gehen. Bisher mus-ste Birgit unseren Sohn Noah auf dem Rücken mitschleppen, aber viel-leicht kann ich das im nächsten Jahr bereits selber machen.