Tägliches üben im Barren, Alltag in der Humaine-Klinik.
Ein Kinobesuch mit Freunden. Das Cinemaxx in Regensburg ist rollstuhlgerecht
Eines der spärlichen Videodokumente aus der Anfangszeit ohne Rollstuhl.
 

Endlich ohne Rolli

Ich kann endlich auf den gehassten Rollstuhl verzichten. 4 lange Monate musste ich ihn ertragen, oder vielmehr der Rolli musste mich tragen. Die dauernde Perspektive eines Sitzenden, ist für einen 1,90 Meter großen Kerl eine wahre Zumutung.

Der Rollstuhl gab mir die Mobilität zurück, die ich am 21. Juli, am Tag meines Unfalls verloren hatte, aber er prägte auch das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. In der Rehaklinik war es alltäglich sich im Rollstuhl fortzubewegen, aber im Leben das ich vor meinem Unfall führte war der Rolli das Sinnbild für Behinderung und Krankheit.

Ein Mensch im Rollstuhl löste bei mir, dem Extremsportler, immer Mitleid aus. Ich war versucht Rollstuhlfahrern besonders hilfsbereit zu begegnen. Allein die Anwesenheit eines Behinderten löste Unsicherheit in mir aus.

Mit Gewissheit war es die selbe Unsicherheit die ich bei den wartenden Kinobesuchern spürte, als mich meine Freunde in das Lichtspielhaus schoben. Du bist nicht nur einfach ein Gast, der mit Freunden einen Film sehen möchte, du bist behindert und wie es mir schien der Mittelpunkt des Geschehens.

Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder stellt man sich diesen Situationen, oder man geht ihnen aus dem Weg. Letzteres kam nicht in Frage, dazu war der Kino-Abend zu schön und meine Unternehmungslust kaum zu bremsen.

Ich habe viele ähnliche Situationen erlebt, was sicher meine Motivation eines Tages wieder zu Laufen, ohne Frage bedeutend gesteigert hat.

Als ich mich zum ersten Mal mit meinem Gehstock an den Pflegern auf meiner Station vorbei geschleppt habe, waren sie über meine tatsächliche Körpergröße überrascht. 4 Monate hatten sie mich nur sitzend gesehen.