Nordic - Auf den Stock gekommen

Im März diesen Jahres, als die Wintersportler hier im Bayerische Wald nochmals mit einer dicken Schneedecke überrascht wurden, habe ich meine antike Langlaufausrüstung aus dem Keller gekramt und mich in die Loipe gewagt. Damals überglücklich über das fantastische Snowboard Comeback verliefen die zwei Versuche in der nordischen Disziplin nur mäßig erfolgreich.

Der Grundgedanke war etwas zu finden, was erstens Spaß bringt, den Winterspeck dezimiert und vor allem auch den betroffenen Arm fordert. Skilanglauf wäre optimal und schult die Koordination Arm und Bein. Mit Stöcken zu hantieren war nicht neu für mich, so habe ich bei den letzten Wandertouren immer wieder versucht den Wanderstock auch mit rechts zu führen, was wenn ich mir genügend Zeit nehme, auch schon ganz gut klappt.

In der Loipe war das leider etwas schwieriger. Ich musste meine gesamte Konzentration aufbringen, mich auf den Beinen zu halten. Übermäßige Körperspannung (Spastik) plagte mich, dass vom gezielten Stockeinsatz nicht die Rede sein konnte. Im Eifer des Gefechts geriet der Alustock gelegentlich zwischen die Skier, was mich nicht selten zu Fall brachte.

Nie wäre ich auf die Idee gekommen auch beim Spazierengehen Stöcke zu benutzen. Doch kaum ein Trendsport findet in diesen Tagen mehr Anhänger als Nordic Walking. Bei meinen Trainingsvorbereitungen für die Stadtläufe traf ich dann auch fast immer auf kleinere Gruppen die diesem Trendsport frönten.

Anfang Oktober ging die Joggingsaison für mich mit dem Halbmarathon in Nürnberg zu Ende. Die ersten Wochen wollte ich mich nur erholen und die gereizte Schulter auskurieren. Das Hauptproblem der Schulter lag auf der Hand. Die fehlende Kontrolle führte zu Krämpfen, dass Schonen mit Manschette und Gummiband wiederum zu weiterem Muskelschwund.

Mit Nordic Walking habe ich Mitte Oktober einen Gedanken aufgegriffen, der mich schon Anfang des Jahres in die Langlaufloipe trieb. Spezielle Stöcke hatte ich mir bereits im Sommer zugelegt. Aber durch das Laufen kam ich nur sporadisch dazu, konsequent zu üben.

Nun hat sich die Handhabe deutlich verbessert, kein Vergleich mehr zum unkoordinierten Stochern auf Skiern. Das Tempo ist zwar alles andere als flott, aber im Gegensatz zur Loipe fehlt das Gefühl ein Hindernis für die anderen darzustellen.

Bei ersten Versuch musste ich nach einigen hundert Metern abrechen, ein Krampfgefühl am Schulterblatt war der Grund. Meine Ergotherapeutin riet mir dem Schultergürtel immer wieder zu lockern, damit ein Krampf erst gar nicht entsteht. Dieser Tip war Gold wert, denn seither werden die Distanzen immer länger.

Der Rhythmus aus Stockeinsatz und Schritt kommt dem was man Nordic Walking nennt schon sehr nahe, siehe Video.

Leider vermag ich nur wenig Druck mit dem rechten Arm aufzubauen. War es lange Zeit nur reine Glücksache wo die Stockspitze landete, wird nun die Kontrolle immer besser. Das liegt vor allem am Handgelenk, das zu meiner Freude immer aktiver wird.

Meine Überlegungen scheinen aufzugehen. Die Schulter wird besser und erst wenn ich völlig schmerzfrei bin werde ich im neuen Jahr wieder mit Jogging beginnen. Solange noch kein Schnee liegt, wird man mich noch des Öfteren mit Stöcken über die Wiesen marschieren sehen.

Aber ich freue mich auch schon auf den ersten Schnee, mal sehen ob ich diesmal eine bessere Figur in der Loipe mache.

 
März 2004, mit Skiern noch etwas problematisch.
November 2004, Spazierengehen mit Stöcken. Ein Trend, dem auch ich mich nicht entziehen konnte.
Den Schultergürtel  lockern, so sieht man mich gelegentlich auf weiter Flur.
Eine kurze Filmsequenz zeigt den Bewegungsablauf.
Das Handgelenk muss arbeiten, sonst gerät der Stock zwischen die Füße.