Spuren im Schnee

Der Regen prasselt wieder an das Fenster meines Arbeitszimmers, die schönen Wintertage haben somit ein vorläufiges Ende.

Strahlender Sonnenschein und kniehoch Schnee im Garten haben mich die letzten Tage in eine permanente Verzückung versetzt. Das wäre ja eigentlich bestes Ski-Langlauf Wetter, aber meine Bretter liegen noch immer verstaubt im Keller.

Immer bestrebt, wenn möglich mit meinen Stöcken spazieren zu gehen, hat mich dann auch eine erste Schneedecke nicht davon abgebracht über die verschneiten Felder und Wiesen zu stapfen. Anfangs lag der Schnee hier nur knöchelhoch, was für Willmeringer Verhältnisse, nach den fast schneelosen vergangenen Wintern, schon etwas besonders war. Es schneite und schneite und schneite, ringsum schien alles in der weissen Pracht zu versinken.

Je höher die Schneedecke wuchs, umso größer waren die Mühen den gewohnten Weg zu gehen. Ich scheine wirklich eine masochistische Ader zu haben, denn je mehr Schweiß mir meine Exkursionen abverlangten, umso mehr Spaß hatte ich dabei.

Ich besorgte mir Gamaschen, wasserdichte Manschetten, die den kalten Schnee von Hosenbein und Stiefelschaft fernhalten, ein nützliches Utensil für Alpinisten vom Schlage eines Lois Trenkers.

Nun, der Bay. Wald ist nicht das Matterhorn oder der Everest. Einem tief verschneiten Wald zu betreten, in den nur die eigenen Spuren im Schnee führen, hat aber was von grenzenloser Freiheit, die vielleicht ansatzweise beschreibt was man auf einem Berg oder im Ozean beim Tauchen finden kann.

Ich mag zwar für manche, mit Rucksack, Gamaschen und den Stöcken etwas befremdlich und überambitioniert wirken, aber dem vielen Schnee sei Dank, bei meinen Touren war ich alleine auf weiter Flur.

Wie schon angedeutet, stellte der Schnee besondere Anforderungen. Bei jedem Schritt muss ich die Beine heben, für den Halbseitenspastiker, mit einer Fuß- und Knieheberschwäche, ein geniales Training.

Ich könnte natürlich auch Treppen steigen üben, aber sind wir mal ehrlich, ist das auch nur ansatzweise vergleichbar?!

Bei der Armarbeit verhält es sich genauso. Verschwindet die Stockspitze tief im Schnee, muss sie anschließend natürlich wieder herausgezogen werden. Das klappt ganz gut, wie man im kurzen Video sehen kann und liegt wohl am gedrosselten Tempo, wenn ich einen Zahn zulege, bin ich heillos mit der Koordination Schritt-Stockeinsatz überfordert.

Wenn man beim erstmaligen Betrachten des Videos kaum motorischen Defizite entdeckt, fällt bei genauerem Hinsehen auf, dass der betroffene rechte Fuß sich nur kaum aus dem Schnee hebt. Eine Charakteristische Schleifspur entsteht so.

Dieses Wandern im Schnee ist so anstrengend, dass ich alle Nase lang eine kurze Pause einlegen muss. Nach etwa 1 Stunde wird der rechte Arm müde und es fällt mir immer schwerer ihn koordiniert einzusetzen. Die längste Tour ging über 3,5 Stunden, am Ende war ich komplett nass- geschwitzt und bratfertig.

Wenn sich die Gelegenheit ergib, werde ich versuchen, noch in diesem Winter, mit Schneeschuhen zu wandern. Im Moment ist es aber eher ungemütlich draußen. Doch in der kommenden Woche soll es wieder kälter werden und Schnee geben.

Ich glaub der Regen lässt schon nach!?!

 
Schneewandern
Meine Canon IXUS ist immer dabei.
Das kurze Video zeigt einen fast normalen Bewegungsablauf.
An der Robertshütte am Voithenberg.