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„Er
läuft und läuft und läuft“
Was
ursprünglich für die Langlebigkeit einer Reifenmarke
werben sollte, scheint im Moment auch auf mich zuzutreffen. Seit
etwa einem halben Jahr versuche ich den Bewegungsablauf des Laufens
neu zu erlernen.
Laufen oder Jogging war schon vor dem Schlaganfall ein wichtiger
Teil meines Trainingsplans. Heute bin ich davon überzeugt,
dass das ständige Üben des Bewegungsablauf sich sehr
positiv auf die weitere Genesung auswirkt. Laufen ist für
einen Schlaganfallpatienten eine sehr komplizierte und in vielen
Fällen auch eine unmögliche Angelegenheit. Es setzt
voraus das beide Körperhälften zusammenspielen, man
Hüfte, Knie und Sprung-gelenk koordiniert bewegen kann. „Richtiges“
Laufen ist das Springen von Fuß zu Fuß.
Dieses
Springen mit dem betroffenen Bein gelingt mir im Bewegungsbad
der Rehaklinik, wo das Wasser einen großen Teil der Schwerkraft
trägt, immer besser. Doch noch kann ich das an Land nicht
umsetzen. So waren also die ersten Laufversuche vor ca. einem
halben Jahr nicht mehr ein langsames Traben. Anfangs nur ein paar
Meter, doch die Distanzen wurden immer länger.
Vor
dem Winter konnte ich bereits den kompletten Weg vom Bahnhof in
Kötzting zur Humaine-Rehaklinik ( ca.1,5 km ) laufend zurücklegen.
Weil es durch den fehlenden Abdruck des rechten Fußes (
der Fuß rollt zwar ab, doch der abschließende Sprung
fehlt ) noch sehr ungelenk aussah, legte ich großen Wert
darauf, meine kleinen Laufexperimente möglichst unbeobachtet
von Außenstehenden durchzuführen. Wenn also überhaupt
jemand am frühen Morgen meinen Weg kreuzte, so ging ich ins
normale Gehen über, war die Luft wieder rein, begann ich
wieder zu laufen.
Über
die Wintermonate versuchte ich mich unter anderem sehr erfolgreich
im Snowboarden und von meinem Therapeuten Mira Liska ließ
ich mich zum Langlaufen animieren.
Auch
das Langlaufen fördert die Ganzkörperkoordination. Arme
und Beine sind gleichermaßen in Aktion. Wobei das Schieben
mit dem rechten Arm nur sehr eingeschränkt von statten ging.
Der Bewegungsansatz ist da, auch Kraft, aber durch die eingeschränkte
Motorik des rechten Handge-lenks lässt sich der Skistock
nicht immer optimal positionieren. So passiert es manchmal, dass
die Stockspitze nicht neben der Loipe einsetzt sondern im Eifer
des Gefechtes zwischen die Skier gerät.
Als
es dann im März allmählich wieder wärmer wurde
und der Schnee meine Joggingstrecke aus vergangenen Freitauchzeiten
freigab, packte mich erneut das Lauffieber. Ein 2,5 km langer
Rundkurs, den ich in meinen besten Tagen achtmal am Stück
gelaufen bin. Der erste Versuch endete nach ca. 1,2 km. Völlig
erschöpft ging ich dann den gelaufenen Weg wieder zurück.
Als
ich vor einigen Wochen zum ersten Mal zwei Runden (5 km) in 45
min gelaufen bin habe ich den Entschluss gefasst mich für
den Münchner Stadtlauf 10 km am 27. Juni anzumelden.
Ein
neues Ziel, das vor allem neue Motivation bringen soll. Natürlich
habe ich das mit meinen Therapeuten abgestimmt, die mich noch
immer 3-4 mal die Woche behandeln. Jetzt zielen die Reha-Übungen
darauf hin, die Distanz in München möglichst erfolgreich
zu absolvieren.
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