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Kalorien in 3 Stunden
Durchs
Ziel zu laufen, nach 21km ist ein absolut großartiges Erlebnis.
Ich bin an einem Stück noch nie so weit gelaufen. Natürlich
ist es schön zu sehen, dass die vielen Zuschauer die auf
der Strecke und im Zielraum verblieben sind, auch meine Leistung,
die des „Letzten“ bejubeln. Wie viel mir diese Leistung
bedeutet können nur die Wenigsten einordnen.
Es
mag sein, dass sich einige noch an den Taucher aus dem Bay. Wald
erinnern, der lange die Luft anhalten und tief tauchen konnte.
Wenige werden vielleicht noch wissen, dass die atemlose Rekordjagd
mit einem schweren Schlaganfall vor etwas mehr als zwei Jahren
endete. Dass ich sprachlos und halbseitig gelähmt lange Zeit
im Rollstuhl saß, weiß nur mein Umfeld.
Als ich in Nürnberg durchs Ziel gelaufen bin rückte
das alles wieder in greifbare Nähe. Das
lag wohl auch an den Fragen eines TV-Teams die mich und meine
Frau kurz nach dem Halbmarathon interviewten. „Wie wahr
das nach dem Unfall?“, oder „Hätten Sie damals
im Rollstuhl geglaubt schon zwei Jahre später einen Halbmarathon
durchlaufen zu können?“
RTL
Stern TV, die schon mehrmals vor dem schweren Unfall über
meine Tauchrekorde berichteten, hatten mich zuletzt in der Humaine
Klinik in Kötzting besucht, um zu dokumentieren, wie ich
mit Therapeuten an den noch verbliebenen Einschränkungen
arbeite.
Natürlich
sollte der seit langem geplante Start in Nürnberg Teil des
Films werden.
Meine
Frau Birgit, unser Sohn Noah, meine Mutter und ich reisten am
vergangenen Sonntagmorgen mit dem Zug nach Nürnberg. Als
wir um 11:30 Uhr den Hauptbahnhof verließen wurde gerade
der 10km Lauf gestartet. 4200 Laufer machten sich auf den Weg
und passierten dabei den Bahnhof. Gänsehautgefühl überkam
mich beim Anblick der laufenden Masse. Zwei Stunden später
würde auch ich in der Menge loslaufen.
Der
von Sport Scheck und TSV Katzwang organisierte Stadtlauf ist die
größte Laufveranstaltung Ostbayerns. Auf der zweispurigen
Strasse im Frauentor Graben, Höhe Opernhaus war der Start
und Zielbereich. Eine 10,5 km lange Schleife aus dem Stadtgebiet
hinaus, um den Wöhrdener See war mit Trassierbändern,
zwei Verpflegungsstellen und zahllosen Helfern vorbereitet worden.
Die Teilnehmer des Halbmarathons mussten die Strecke zweimal absolvieren.
Wir
trafen wie vereinbart auf das Film-Team und besprachen den weiteren
Ablauf. Man hatte eigens einen Motorradfahrer organisiert, damit
die Kamera mich auch kurze Passagen begleiten konnte. Ich war
ohnehin hypernervös und die Tatsache, dass ich ständig
vom Fernsehen begleitet wurde machte das nicht einfacher.
Nach
dem Startschuss um 13:30 Uhr war die Nervosität plötzlich
wie weggeblasen. Zusammen mit 4000 Gleichgesinnten machten Birgit
und ich uns auf den Weg. Erwartungsgemäß lagen wir
schon nach wenigen km am hinteren Ende, aber das machte es leichter
für mich, denn in der Masse ist man versucht schneller zu
laufen, als man durchhalten kann.
Die
ersten zehn Kilometer lief es planmäßig, ich fand meinen
Rhythmus und hatte noch Reserven. Kurz bevor Birgit und ich Start
und Ziel ein erstes Mal passierten, hatten uns ca. 30 Athleten
überrundet. Ich war aber hoch zufrieden, denn die ersten
10,5 km konnten wir in 1:26 zurücklegen und mein Ziel war
es die gesamte Distanz unter 3 Stunden zu laufen.
Ab
km 17 spürte ich gelegentlich Krämpfe im linken Oberschenkel,
vor allem wenn es bergauf ging. Und da lag noch ein gewaltiger
Anstieg vor mir, denn bei Kilometer 19, bereits wieder im Stadtkern,
war uns aus der ersten Runde eine lange, steile Gasse bekannt,
die für mich zur letzten Nagelprobe werden konnte. Das tat
bereits beim ersten Mal weh, da aber war ich noch verhältnismäßig
frisch und konnte das wieder wegstecken, jetzt aber war ich entkräftet
und weit mehr gelaufen als bei den längsten Trainingsläufen.
Ich
glaube es war kein Zufall, dass gerade an diesen letzten Anstieg
viele Zuschauer standen und uns anfeuerten nicht aufzugeben. Und
genau das macht die besondere Atmosphäre eines großen
Stadtlaufes aus, es gib Momente bei denen dir von Sambatrommeln
oder Ratschengeklapper förmlich Flügel wachsen. Als
der Anstieg hinter uns lag, gab es keinen Zweifel mehr ich würde
diesen Halbmarathon durchlaufen.
Wir
verließen die Altstadt und kamen wieder auf den großen
zweispurigen Stadtring. Das Ziel, ein großer, aufblasbarer,
schwarzer Torbogen kam immer näher. Gut zu erkennen war bereits
das Kamerateam von Stern TV die uns im Zielraum erwarteten, um
erste Stellungnahmen einzufangen. Und dann war es geschafft, von
Applaus getragen passieren Birgit und ich die Ziellinie.
Ich
hörte endlich auf zu laufen und bekomme im selben Moment
eine Urkunde in die Hand gedrückt. Als
offizielle Zeit sind auf meiner Urkunde 3:01 vermerkt. Da ich
aber zu Beginn wegen der großen Anzahl von Läufern
erst 4min nach dem Startschuss über die Startlinie gelaufen
bin beträgt meine Nettozeit 2 Stunden 57 Minuten. Es war
ein schöner Tag in Nürnberg.
Muskelkater
und Günter Jauch

Am
Montag, Tag 1 nach dem Lauf in Nürnberg blieb der Muskelkater
aus. Vorbeugend haben meine Therapeuten in der Humaine Klinik
Kötzting die betreffenden Muskelgruppen gedehnt. Ich war
zwar müde, hatte aber den Kraftakt ohne nennenswerte Überlastungsschmerzen
überstanden. Keine Knie- und Hüftprobleme, keine Blasen
oder Druckstellen an den Füssen und auch der gelegentliche
Schulterschmerz hatte sich nicht gesteigert.
Am
Dienstag, Tag 2 nach dem Lauf, spürte ich Muskelkater vor
allem in den Beinen und am Gesäß. Positiv an diesen
Schmerzen war es, dass davon beide Beine betroffen waren. Es ist
schön zu spüren, dass die gelähmten Muskeln arbeiten
und eben auch schmerzen können.
Zu
Beginn meiner Laufambitionen kannte ich Muskelkater nur im linken,
dem gesunden Bein, weil es den Hauptteil der Belastung tragen
musste. So gesehen kann man sich auch über Schmerzen freuen.
Auch am Dienstag wurde ich nur passiv massiert, das war sehr angenehm
und genau das richtige für den „geschundenen“
Körper.
Am
Mittwoch, Tag 3 nach dem Stadtlauf war ich als Studiogast in die
Live- Sendung Stern TV zu Günter Jauch auf das rote Talksofa
geladen. Das beliebte TV-Magazin wird jeden Mittwochabend in Köln
produziert und gehört zu den erfolgreichsten Fernsehformaten.
Erst wurde der Film gezeigt der unter anderem in Nürnberg
entstanden ist, im Anschluß sollte ich Günter Jauch
noch einige Fragen beantworten.
Als
ich unter Applaus das Studio betrat, passierte das von mir bereits
Befürchtete, ich war angespannt und nervös, was sich
gnadenlos auf meine motorischen Fähigkeiten auswirkte. Zu
Beginn des Gespräches habe ich dann versucht Günter
Jauch und den Zuschauern zu erklären wie es zu diesen Spastikattacken
kommt, und dass viele Opfer von Schlaganfällen darunter leiden.
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