Mit Händen und Füßen – der Crosstrainer

Snowboard oder Skilanglauf? Kein Schnee! Nordicwalking? Es regnet die ganze Zeit! Was tun wenn der Bewegungsdrang nicht mehr auszuhalten ist, und die Wettergötter sich offenbar allesamt verschworen haben. Vor meinem Unfall saß ich dann stundenlang auf meinem Rad-Ergometer im Wohnzimmer, um den Frust wieder abzustrampeln.

Ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall, ich konnte grad mal ohne Stock gehen, habe ich mich besonders für einen Elliptical - auch Crosstrainer genannt, interessiert. Diese Bewegungsmaschine, einigen sicher bekannt aus dem Fitness Tempel um die Ecke, fordert den ganzen Körper und schult die Koordination.

Mit den Füßen steigt man auf zwei Pedale, die sich aber nicht wie bei einem Rad um eine Achse bewegen. sonder auf Schienen montiert eine elliptische Bewegung vollführen. Die so erzwungene Dynamik der Beine kommt dem gewöhnlichen Laufen schon sehr nahe. Der Clou aber ist, dass die Pedale an eine Hebelkonstruktion gekoppelt sind, mit der auch die Arme in Aktion treten können und sollen.

Das mir nach den Rad-Ergometer Sitzungen meist der A…schmerzte und der Crosstrainer auch die Arme mit einbindet, war für mich Grund genug das Trainingsgerät in einem Fitness Studio auszuprobieren. Überrascht wie gut das Üben an diesem Gerät trotz der massiven Lähmungen bereits funktionierte, wurde ein Eigenes angeschafft und der alte Radergometer
musste im Wohnzimmer ( vor der Glotze ) Platz machen.

Wie man im kurzen Film sehen kann, lässt sich beim Laufen auf dem Crosstrainer kaum eine motorische Einschränkung erkennen. Arme und Beine werden durch Haltegriffe und Trittschienen optimal geführt, der Bewegungsumfang wird also in einem hohen Maß vom Trainingsgerät vorgegeben. Wenn man aber am Ende der Videosequenz die beiden Schulterblätter miteinander vergleicht, wird deutlich das der rechte Arm grösstenteils nur passiv bewegt wird. Das rechte Schulterblatt weiß noch nicht so recht was es machen soll, es funktioniert nicht physiologisch, und hebt sich von Rücken ab.

Dieses „unentschlossene“ Schulterblatt stört meine gesamte Armmotorik. Böses Schulterblatt, böse,böse. Im Moment konzentrieren sich also alle meine Bemühungen um dieses hartnäckige Defizit zu beseitigen. Ergo, KG, Nordicwalking, Myofeedback und eben der Crosstrainer.

Leider habe ich das moderne „Foltergerät“ im Wohnzimmer nur selten genutzt. Nach der Anschaffung, im Frühjahr 03, war es mir nur 5-10 min möglich den Armhebel zu greifen. Danach schwand die Kraft der Finger, die Hand löste sich und der rechte Arm pendelte wieder in die Vertikale.

Weil das Beugen und Strecken damals noch gänzlich passiv waren und somit der rechte Arm nach vorne gezogen wurde, stellten sich alsbald Schmerzen in der Schulter ein und ich musste immer länger pausieren. Lange Zeit stand der Crosstrainer dann unbenutzt im Wohnzimmer.

Ende 2004 flammte die Begeisterung für diesen Trainingsansatz erneut auf. Vieles hatte sich seit her verbessert. Vor allem der Griff meiner Hand wurde kräftiger und so waren jetzt Trainingsumfänge mit der Elliptical-Maschine problemlos über eine Stunde möglich.

Wenn sich das Schulterblatt zu Beginn der Trainingseinheit vom Rücken abhebt, so legt sich das wieder je länger ich am werkeln bin. Ich habe dabei keine Schulterschmerzen. Nach langen Einheiten wird das rechte Sprunggelenk derart mobilisiert das es zu Dehnungsschmerzen in der rechten Wade kommt.

Damit der rechte Arm beim Zupacken nicht verkrampft, habe ich mir mit Theraband eine Griffverdickung mit Handschlaufe gebastelt. Durch diese simple Erleichterung gelingt es mir mich ganz auf den physiologischen Bewegungsablauf zu konzentrieren.

Der Bewegungsfluss, Arme und Beine sind gekreuzt ( Cross ) über die Körpermitte aktiv, schult das Zusammenspiel beider Gehirnhälften. In den letzten Tagen wurde ich mehrmals auf eine Verbesserung des Gangbilds angesprochen. Das macht natürlich Laune.

Ein schöner Nebeneffekt ist natürlich auch das der Winterspeck schmilzt. Wie beim Laufen trainiere ich mit Pulskontrolle. Mein Crosstrainer bietet Pulsmesssensoren an einem separaten Haltebogen zwischen den beiden Armhebeln.

Weil das ständige Wechseln von den Hebeln zu den Messpunkten mich motorisch noch überfordert, strample ich mit Brustgurt, der meinen Puls per Funk auf eine Uhr überträgt.

 
Der Crosstrainer, ein ganzheitliches Fitnessgerät. Auch für Halbseitenspastiker?
Auf den ersten Blick eine fantastische Bewegungsstudie für eine Schlaganfallopfer.
Das Strecken des rechten Arms ist nach wie vor ein großes Problem.
Mit dieser simplen Griffverdickung gewinnt man sicher keinen Designerpreis, aber sie ist außerordentlich nützlich.
Der Kettler Crosstrainer bietet mehrere Trainingsprogramme.