Der Goldene Herbst – meine kleiner Kreuzweg

Nachdem sich Wandertouren so positiv auf mein Gangbild auswirkten, haben wir uns Wanderstöcke angeschafft um auch schwierigen Touren gewachsen zu sein. Der Effekt dieser einfachen Hilfsmittel ist bei mir gigantisch.

Hatte ich in schweren Passagen immer mit der allgegenwärtigen Spastik (Muskelanspannung, die sich bei Unsicherheit unwillkürlich aufbaut und dadurch die Motorik erheblich stört) zu kämpfen, so hielt sich das mit den Wanderstöcken in Grenzen.

Das stabile Hebstwetter und mein erstarktes Selbstvertrauen was lange Fußmärsche betrifft, waren Antrieb für viele schöne Touren.

31. August 2003 – Kaitersberg 999m
Am Fuße des Kaitersberg liegt Kötzting und wenn ich zur Therapie in die Humain Klinik laufe, kann man den Gipfel und das neuerrichtete Kreuz darauf wunderbar erkennen. Keine Frage, dieser Berg stand ganz oben auf meiner Wunschliste.

Es war zwar sehr nebelig an diesem Sonntagmorgen aber auch bei der zweiten größeren Wandertour war der Weg das Ziel. Birgit trug unseren Sohn mit einem Tragegestell auf dem Rücken, und trotzdem hatte ich noch Probleme Schritt zu halten. Das letzte Stück zum Gipfelkreuz war eine wahre Kletterpartie, das mit einem wunderbaren Gefühl es doch geschafft zu haben belohnt wurde.

7. September 2003 – Osser 1293m
Ausgangspunkt war Lambach 700m. Es war ein sonniger Sonntagmorgen und am gut gefüllten Parkplatz konnte man erkennen, daß wohl auch andere unterwegs zum Gipfel waren. Der Aufstieg dauerte 2.5 Stunden und war sehr anstrengend.

Ich hatte mir ein Handtuch in den Trageriemen des Rucksacks geklemmt um mir alle Nase lang die Schweißperlen aus dem Gesicht zu wischen. Oben angekommen gönnten wir uns erstmal eine Brotzeit am Osser - Schutzhaus. An diesem Tag trug ich leider etwas zu kleine Schuhe. Was erst beim Rückmarsch ins Tal erhebliche Probleme machte, so das ich die letzten 2km barfuss durch den Wald laufen musste.

21. September 2003 – Falkenstein 1315m
Den Falkenstein kannten wir noch nicht und so waren wir gespannt was uns wohl erwarten würde. Das Wetter war wieder prächtig, was nicht wenige auf die Wanderwege rings um den Berg lockte. Der Aufstieg war wegen des warmen Wetters sehr schweißtreibend, aber hat sich dank der wunderschönen Aussicht alle Mal gelohnt.

Beim Rückmarsch haben wir die Rücksäcke getauscht. Meine Frau trug jetzt den Proviant und ich Noah auf dem Rücken. Dabei war das Gewicht (Noah wog 16kg) nicht das Problem, wenn er sich bewegte brachte das eine gewisse „Unwucht“ in mein Gleichgewichtssystem. Ich konnte Ihn aber mit Pausen den ganzen Rückweg tragen.

27. September 2003 – Arber 1456m
Der Arber ist der höchste Berg im Bay. Wald. Ausgangspunkt war der große Arbersee 934m.Der Aufstieg zum Arberschutzhaus dauerte ca. 2,5 Stunden. Weil die Hütte auch mit einer Gondelbahn erreichbar ist war na-türlich viel Betrieb. Nach einer Brotzeit gingen wir zum Gipfel und kon-nten von da auf die bisher bezwungenen Gipfel blicken.

Mit Wanderkarten ausgerüstet wählten wir einen anderen Rückweg, den „Seewandersteig“ der sich als wahre Herausforderung entpuppte. Nach insgesamt 7 Stunden Tour wieder Angekommen am Arbersee, war ich überrascht, welch schönes Wanderrevier doch dieser vielbesuchte Berg ist.

18.-19. Oktober 2003 – Tegernseer Hütte 1650m
Die Familie von Hubert Meier, ein alter Freund aus meiner aktiven Apnoe-zeit, besitzt am Tegernsee eine Almhütte, die wir schon vor meinem Un-fall des öfteren als Ausgangspunkt für längere Wandertouren nutzten.

Als im Herbst der Almbetrieb eingestellt wurde, sind wir am Samstag den 18. Oktober zusammen mit einigen Freunden, von Bad Wiessee (600m) aus zur Hütte auf der Schwarzentennalm (1085m) hoch marschiert. Nach einer geselligen Hüttennacht haben wir uns Sonntagmorgen auf dem Weg gemacht zur Tegernseer Hütte hoch zu steigen.

Leider mussten wir kurz vor dem Ziel aufgeben, da der Pfad zum Teil von Schneefeldern bedeckt, und damit zumindest für mich unpassierbar war. Wir kehrten schweren Herzens um. Aber wir haben einen erneuten Anlauf im Frühling 2004 ins Auge gefasst.