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Ein
Jahr nach dem Unfall
Nun sind 12 Monate seit meinem Unfall vergangen. Ich fahre nach
wie vor 4 mal in der Woche zur ambulanten Therapie in die Rehaklinik
Humaine nach Kötzting. Wieder hat sich einiges verbessert.
Bei längeren Fußmär-schen sieht das Gangbild phasenweise
völlig normal aus, vor allem wenn der Weg eben ist und gerade
verläuft.
Ich
kann immer noch nicht Autofahren und will es ehrlich gesagt auch
noch gar nicht. Wie schön es ist sich auf den eigenen Füßen
bewegen zu können, weiß ich seit der Zeit im Rollstuhl
zu schätzen. Der tägliche Fußmarsch zur Klinik
(hin und zurück ca. 4 km) hat sicher einen großen Anteil
an den erzielten Fortschritten.
Mein
Therapeut Mira Liska ( Krankengymnastik ) vertritt die Ansicht,
dass nur Erfolg zu erzielen ist, wenn der Patient immer wieder
an seine Leist-ungsgrenzen herangeführt wird.
Standartübungen
reichen nicht mehr aus und es wird improvisiert. Ein Beispiel:
In der Sporthalle werden Matten ausgelegt. Meine Aufgabe be-steht
darin so schnell wie möglich eine Serie von Rollen ( Purzelbäumen
) vorwärts und rückwärts wieder in den Stand zu
absolvieren. Das fordert höchste Koordination des gesamten
Bewegungsapparat, was dann später an den nass geschwitzten
Sportklamotten deutlich zu sehen ist.
Ein
großes Manko ist die weiterhin die fehlende Hüftstabilität.
Deutlich wird das, wenn ich versuche auf dem rechten Fuß
oder im Kniestand auf dem rechten Knie zu balancieren. Nur ein
paar Sekunden gelingt mir das gerade so, dass ich die Badehose
im Stehen anziehen kann.
Das
Sprunggelenk wird deutlich besser und ich kann bereits wieder
auf dem Trampolin hopsen, ohne gleich auf der Nase zu landen.
Gibt man sich mit einfachem Gehen zufrieden, spielt das Sprunggelenk
eine eher unbedeutende Rolle, aber wer mich kennt weiß natürlich,
dass ich wieder laufen möchte und das ist im wesentlichen
von der Kontrolle des Sprung-gelenks abhängig. Zwischenzeitlich
lege ich kurze Wege im Laufschritt zurück und bin, was diese
Entwicklung betrifft, sehr zufrieden.
Die
größten Einschränkungen im Alltag entstehen durch
die noch immer stark reduzierte Motorik des rechten Arms. Texte
zu verfassen auf der Tastatur eines PC´s oder Handschriftliches,
muss ich leider noch mit links bewältigen. Grobmotorische
Aufgaben wie: etwas tragen, eine Tür öffnen oder Essen
zum Mund führen gelingen aber schon ganz gut. Weil es oft
einfach mit links schneller geht, hat meine Ergotherapeutin Olivia
Mitterer eine Gipsschiene für die linke Hand angefertigt,
damit ich dazu gezwungen werde mit rechts zu hantieren. Daumen,
Zeige- und Mittel-finger der rechten Hand können selektiv
von mir bewegt werden, der Rest bewegt sich nur in Verbindung
mit dem Öffnen und Schließen der Hand.
Das
Handgelenk bewegt sich nun auch ein bisschen und seit einigen
Wochen üben wir das Schreiben. Als Rechtshänder hoffe
ich natürlich, dass ich auf die aufgezwungene Kompromisslösung,
mit links zu schrei-ben in Zukunft wieder verzichten kann.
Die
Schulter und das Schulterblatt funktionieren wieder so gut, daß
Krau-len im Bewegungsbad der Klinik möglich ist und von mir
fast täglich geübt wird. Wasser ist halt doch mein Element.
Gerade
heute wenn ich diesen Bericht verfasse, kommen Erinnerungen an
die ersten Tage, Wochen und Monate nach dem Unfall wieder in mein
Gedächtnis, und ich bin dankbar und auch ein wenig stolz
vieles über-wunden zu haben. Aber noch ist es nicht Zeit
ein Resümee zu ziehen. Ich habe vor auch weiterhin an den
verbliebenen Einschränkungen zu arbeiten. Und ihr könnt
euch drauf verlassen, ich bin dabei hartnäckiger denn je.
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