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Aufatmen.
Mag
sein das ich nach außen oft einen sehr gefassten Eindruck
hinter- lasse, wenn es um den Unfall im Roten Meer, oder den dabei
entdeckten Gehirntumor geht. Wenn man eine tiefe persönliche
Krise durchlebt, wie sie mit meinem Schlaganfall einherging, hat
diese „Prüfung“ sicher mein „Fell“
etwas dicker gemacht. Was nicht heißen soll, dass ich gänzlich
ohne Ängste und Emotionen den Rest meines Lebens friste.
Erfahrungsgemäß sind Angst und Depression nicht eben
dienlich wenn es um Krisenmanagement geht. Also verdrängt
man sie und bemüht sich zumindest oberflächlich um das
in der Situation Notwendige. Wenn man wie ich, den Erfolg dieser
Strategie, die tiefenpsychologisch sicher auch eine Art von Selbstschutz
darstellt, verinnerlicht hat, wird sie zur Methode in allen Lebenssituationen.
Kein
Wunder also, dass ich die Nachricht von meinem „Überraschungsei“,
noch mit erheblichen Sprachstörungen und im Rollstuhl sitzend,
so gelassen aufgenommen habe.
Nun
erfreulicherweise hat sich vieles sehr positiv entwickelt und
der gut- artige Tumor wurde an Ostern aus meinem Schädel
entfernt. Bei meiner Entlassung aus der Neurochirurgie in Regensburg
wurde eine erste Kontrolluntersuchung im Juli vereinbart. Denn
ein erneutes Wachstum des Tumors kann nicht ausgeschlossen werden.
Auch war zum Zeitpunkt der Entlassung nicht klar, ob die Hypophyse
durch den operativen Eingriff in ihrer hormonregulierenden Funktion
beeinträchtigt wurde.
Vier Wochen nach der OP, war ich wieder ganz der Alte. Ich begann
wieder zu laufen, schnürte gelegentlich Wanderstiefel und
Rucksack und führte mein Leben wie gewohnt.
In einem hatte sich aber meine mentale Verfassung nochmals verändert.
Die neue Fassette meiner Psyche lässt sich mit einer rhetorischen
Frage auf den Punkt bringen: „Was könnte mich jetzt
noch umhauen?“
Wie
erhofft war die Hypophyse wenige Wochen nach dem Eingriff wieder
weitgehend funktionsfähig und ich konnte das Hormonpräparat
absetzen.
Mit
jedem Tag den die Nachuntersuchung näher rückte, wuchs
auch die Anspannung in mir, wie sie auch vor der Tumorentfernung
präsent war. Zwar ließ ich mir nichts anmerken, nahm
es wie immer sehr gelassen und mit einem Schuss Galgenhumor, aber
wie die meisten Menschen hänge ich natürlich auch am
Leben. Sollte wieder Tumorzellen zu sehen sein, hatte mir Dr.
Adolf Müller eine Bestrahlung empfohlen, aber eine präzise
Vorgehensweise könnt man erst nach einem erneuten Befund
anhand aktueller MRT- und CT-Bilder festlegen.
Das
Prozedere war mir ja nicht neu. Mit dem Zug nach Regensburg zum
Radiologen, im Wartezimmer die Erklärung unterschreiben,
dass man über etwaige Nebenwirkungen des Kontrastmittels
informiert wurde und dann das lautstarke Vergnügen in der
Röhre.
Als
ich nach dem „Foto-Shooting“ aus dem CT fuhr, wie
ein Leib Brot den man aus dem Ofen holt, waren meine Knie etwas
weich. Ich war mir nicht ganz sicher ob es nun am Kontrastmittel
lag, dass mir vorübergehend die Kraft raubte, oder die Angst
vor dem bevorstehenden Gespräch mit dem Radiologen.
Die
Tür des Besprechungszimmers war noch nicht ins Schloss gefallen,
als der Radiologe hinter den beiden riesigen 21Zoll Flachbildschirmen
hervorlugte und flapsig meinte: „Herr Franz, sie müssen
mir unbedingt mal erklären wie man so tief tauchen kann“.
Scheiße, jetzt musst du sterben, schrie der Skeptiker in
mir auf. Ich werde erst in ein belangloses Gespräch verwickeln,
damit sich die Anspannung legt und ich dann im Anschluss die Hiobsbotschaft
besser wegstecke.
Seine Auforderung, mich erst mal zu setzen, untermauerte diesen
Verdacht und versetzte mich innerlich in Panik. Äußerlich
griff ich sehr gelassen den Smalltalk auf, referierte kurz über
Trainingsmethodik und Druckbelastung im Freitauchsport und erwähnte
abschließend natürlich noch meine Vorträge.
„Es
ist alles bestens“ fuhr er fort. „Auf den aktuellen
CT Bildern ist kein neues Tumorgewebe zu erkennen.“ Aber
ein abschließendes Urteil ob- liegt ohnehin dem Operateur
Dr. Adolf Müller. Der Neurochirurg konnte ein paar Tage später
die Einschätzung nur bestätigen.
Diese
Art von Nachrichten lassen die Anspannung abfallen, die förmlich
wie ein Bleigurt meine mentale Verfassung beschwerte. Ist der
Bleigurt weg, wird man ganz von alleine aus der Tiefe an die Wasseroberfläche
gezogen. Ich kann wieder Aufatmen, bis zum nächsten Mal.
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