Mein Bruder Alexander sollte mir Hilfestellung leisten. Noah hatte mit dem Schlitten auch seinen Spaß.
Angst vor Verletzungen hatte ich nicht, obwohl das Fallen auf meinen Hintern oft ganz schön wehtat.
Das Hochstapfen im Schnee und natürlich das Aufrappeln nach Stürzen haben mich völlig entkräftet. Am Ende war ich zufrieden und glücklich.
Dieses Video ist an einem sehr flachen Hang entstanden. Vor meinem Unfall gab es keine Piste die zu steil für mich war.
 

Brett unter den Sohlen

Das ist nicht etwa ein Foto aus vergangenen Tagen, das mich vor dem Schlaganfall bei meiner liebsten Winterbeschäftigung dem Snowboarden zeigt. Diese Bild ist am 18. Januar 2004 entstanden und zeigt den ersten Versuch wieder auf einem Board zu fahren.

Vorweg, es geht. Ich fühl mich zwar wie am ersten Tag, als ich vor ca. 7 Jahren zum ersten mal auf einem Snowboard stand, aber ich bin sehr glücklich, dass der zugegeben gewagte Versuch so positiv ausfiel.

Mit der fixen Idee wieder Snowboard fahren zu wollen, ging ich schon seit längerer Zeit schwanger. Wäre ich ein passionierter Skifahrer, müsste ich wohl noch bis auf weiteres auf mein Hobby verzichten. Das rechte Bein und Sprunggelenk lassen sich noch nicht ausreichend kontrollieren, was das Fahren auf Skiern unmöglich macht.

Beim Snowboard ist das entscheidend anders. Beide Füße sind fest auf dem Board fixiert. Sprunggelenke sind eher Nebensache, man steuert mit Gewichtsverlagerung und Rumpfrotation. So jedenfalls war meine Theorie, und einen ersten Versuch sollte diese allemal wert sein. Mehr als auf die Schnauze fliegen konnte ich dabei nicht.

Angst hatte ich trotzdem. Angst davor, mir nach einem ersten Versuch eingestehen zu müssen, dass es eben wegen der motorischen Defizite nicht mehr geht.

Mit Alexander, meinem Bruder verabredeten wir uns an einem Skilift bei St. Englmar. Für unseren Sohn Noah hatten wir den Schlitten im Auto und meine Frau Birgit packte ihr eigenes Snowboard ein. Sollte das mit mir nicht klappen, würde sie mit Alexander ein paar Mal die Piste runter fahren und ich wollte währenddessen mit Noah rodeln.

Die Schwierigkeiten begannen schon beim Einsteigen in die Hardboots (Skistiefel), vor Aufregung und Anstrengung war ich danach komplett durchgeschwitzt. Es ist ohne Behinderung schon mühsam mit schweren Stiefeln zu gehen, das perfekte Training also für jemanden der ein Bein nicht richtig heben kann.

Wir suchten uns einen abgelegenen und flachen Pistenabschnitt aus um niemanden zu gefährden. An Schlepplift fahren war nicht zu denken. Am Startpunkt des ersten Versuches angekommen musste man mir beim Einsteigen in die Bindung helfen. Schnalle zu, fertig. Da stand ich nun das Board an den Füßen und ein leichter Hang vor mir. Das Gefühl war nicht schlecht, aber noch fuhr ich nicht. Mit ein paar Hopsern in Richtung Tal begann ich mich langsam zu bewegen. Ich fuhr, tatsächlich ich fuhr.

Ich weiß nicht mehr wie viele Meter ich beim ersten Mal zurückgelegt habe, bis ich auf dem Hosenboden gelandet bin. Das ich bei den kurzen Abfahrten mit einer gewaltigen Spastik zu kämpfen hatte fällt einem Beobachter kaum auf. Siehe Video rechts.

Der rechte Arm wird in ein sog. Muster gezogen, eine Haltung die ich willentlich noch nicht beeinflussen kann.

Wir sind dann etliche Male den Berg hoch gelaufen und mit jeder Abfahrt wurde ich sicherer auf dem Snowboard. Kurven fahren war zwar immer eine Wackelpartie, und ich habe auch oft genug im Schnee gelegen, aber das wird besser. Da bin ich mir ganz sicher.