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Snowboard
Reloaded
Der
Super GAU für mein Ego ist eingetroffen. Ich lag einige Meter
vor der Warteschlange am Lift im Schnee. Nicht etwa freiwillig.
Ich wollte mich in die Warteschlange einreihen, habe dazu meinen
rechten Fuß aus der Bindung genommen, um mich Stück
für Stück nach vorne zu schieben. Dann habe ich für
einen Moment das Gleichgewicht verloren, und mich der Länge
nach auf die Schnauze gelegt.
Das
rechte Bein war unter dem Snowboard eingeklemmt, das noch immer
fest am linken Fuß montiert war. Da lag ich nun, und habe
mich abgemüht eine Möglichkeit zu finden, wieder auf
die Beine zu kommen. Aber es ging nicht. Die erst erheiterten
und mitleidigen Blicke der Skifahrer um mich begannen, je länger
ich mich am Boden wälzte ins Verständnislose umzuschlagen.
Jemand der so unbeholfen ist, hat auf einer Skipiste nichts verloren,
wäre mir in den Sinn gekommen, hätte ich dieses Malheur
vor meinem Schlaganfall beobachten müssen. Und genau diese
Gedanken meinte ich in den Gesichtern um mich erkennen zu können.
Ich
habe es dann irgendwie geschafft auch meinen linken Fuß
aus der Bindung zu befreien, und mich dann wieder aufzurappeln.
Es sind eben Situationen wie diese, die mich bei aller Euphorie
über das fantastische Snowboard - Comeback auf den Boden
der Tatsachen zurückholen. Ich fühle mich super, wenn
ich meine Behinderung verstecken kann, ärgere mich aber schwarz,
wenn das ganze auffliegt.
Das
erste Mal Schlepper fahren war eine Tortour. Es ist für einen
nicht behinderten Snowboarder schon eine Wackelpartie, entsprechend
groß war meine Angst davor.
Mit dem Einhaken des Liftbügels begann mein rechtes Bein
zu zittern, das passiert immer wenn die Anspannung extrem hoch
ist. Grob erklärt, versucht der Beinstrecker zu strecken
und der Beuger zu beugen. Ein wildes hin und her was zu dieses
typische Zittern führt. Mit jedem Meter den wir bergauf gezogen
wurden, viel etwas von dieser Anspannung ab. Als wir am Ausstieg
ankamen, konnte ich es kaum fassen, ich habe es ohne Sturz geschafft.
Das
viele motorischen Probleme durch Angst und Stress verstärkt
werden wurde bei der zweiten Liftfahrt deutlich, wo das Zittern
des rechten Beins komplett ausblieb und alles viel harmonischer
von Statten ging. Auch die Abfahrten ins Tal gelangen mir zum
Teil ohne Sturz. Eine Verbesserung im Vergleich zu den ersten
Versuchen am 18.1. war offensichtlich.
Als
dann nach 2 Stunden Kraft und die spezielle Kondition nachließen
und ich immer öfter im Schnee gelandet bin, habe ich wegen
der damit gestiegenen Verletzungsgefahr, durchgeschwitzt und völlig
fertig, die „Alpin-Therapie“ abgebrochen.
Einige
Male stand ich seit dem Comeback am 18. Januar auf meinem Snowboard,
zuletzt gestern Abend beim Flutlichtbetrieb.
Das
wir noch immer ausreichend Schnee hier im Bayerischen Wald haben,
betrachte ich als Wink des Schicksals. Meine Therapeuten sind
begeistert, die permanente Wackelpartie über mehrere Stunden
ist ein ideales Training. Und für mich wieder eine großartige
Möglichkeit mit Freunden zusammen sportlich aktiv zu sein
und dabei Spaß zu haben.
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