fast wie in alten Tagen
Schlepper fahren mit Birgit
am Faschingssonntag mit den Wiessmeyers unterwegs in St. Engelmar
Stefan Wiessmeyer
 

Snowboard Reloaded

Der Super GAU für mein Ego ist eingetroffen. Ich lag einige Meter vor der Warteschlange am Lift im Schnee. Nicht etwa freiwillig. Ich wollte mich in die Warteschlange einreihen, habe dazu meinen rechten Fuß aus der Bindung genommen, um mich Stück für Stück nach vorne zu schieben. Dann habe ich für einen Moment das Gleichgewicht verloren, und mich der Länge nach auf die Schnauze gelegt.

Das rechte Bein war unter dem Snowboard eingeklemmt, das noch immer fest am linken Fuß montiert war. Da lag ich nun, und habe mich abgemüht eine Möglichkeit zu finden, wieder auf die Beine zu kommen. Aber es ging nicht. Die erst erheiterten und mitleidigen Blicke der Skifahrer um mich begannen, je länger ich mich am Boden wälzte ins Verständnislose umzuschlagen. Jemand der so unbeholfen ist, hat auf einer Skipiste nichts verloren, wäre mir in den Sinn gekommen, hätte ich dieses Malheur vor meinem Schlaganfall beobachten müssen. Und genau diese Gedanken meinte ich in den Gesichtern um mich erkennen zu können.

Ich habe es dann irgendwie geschafft auch meinen linken Fuß aus der Bindung zu befreien, und mich dann wieder aufzurappeln. Es sind eben Situationen wie diese, die mich bei aller Euphorie über das fantastische Snowboard - Comeback auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ich fühle mich super, wenn ich meine Behinderung verstecken kann, ärgere mich aber schwarz, wenn das ganze auffliegt.

Das erste Mal Schlepper fahren war eine Tortour. Es ist für einen nicht behinderten Snowboarder schon eine Wackelpartie, entsprechend groß war meine Angst davor.

Mit dem Einhaken des Liftbügels begann mein rechtes Bein zu zittern, das passiert immer wenn die Anspannung extrem hoch ist. Grob erklärt, versucht der Beinstrecker zu strecken und der Beuger zu beugen. Ein wildes hin und her was zu dieses typische Zittern führt. Mit jedem Meter den wir bergauf gezogen wurden, viel etwas von dieser Anspannung ab. Als wir am Ausstieg ankamen, konnte ich es kaum fassen, ich habe es ohne Sturz geschafft.

Das viele motorischen Probleme durch Angst und Stress verstärkt werden wurde bei der zweiten Liftfahrt deutlich, wo das Zittern des rechten Beins komplett ausblieb und alles viel harmonischer von Statten ging. Auch die Abfahrten ins Tal gelangen mir zum Teil ohne Sturz. Eine Verbesserung im Vergleich zu den ersten Versuchen am 18.1. war offensichtlich.

Als dann nach 2 Stunden Kraft und die spezielle Kondition nachließen und ich immer öfter im Schnee gelandet bin, habe ich wegen der damit gestiegenen Verletzungsgefahr, durchgeschwitzt und völlig fertig, die „Alpin-Therapie“ abgebrochen.

Einige Male stand ich seit dem Comeback am 18. Januar auf meinem Snowboard, zuletzt gestern Abend beim Flutlichtbetrieb.

Das wir noch immer ausreichend Schnee hier im Bayerischen Wald haben, betrachte ich als Wink des Schicksals. Meine Therapeuten sind begeistert, die permanente Wackelpartie über mehrere Stunden ist ein ideales Training. Und für mich wieder eine großartige Möglichkeit mit Freunden zusammen sportlich aktiv zu sein und dabei Spaß zu haben.