Sepia, Vatikan und Autoknacker

Dem kalten Schmuddelwetter entfliehen und eine Woche im sonnigen Süden verbringen. Mit diesem Vorsatz sind wir am Samstagmorgen 4 Uhr mit dem Auto Richtung Italien aufgebrochen. Vor meinem Unfall waren für mich nur Tauchziele von Interesse. Tauchklamotten hatten wir wieder eingepackt, auch sollte die von uns schon so oft besuchte Insel Elba ein erstes Ziel sein, aber Tauchen war nur am Rande geplant. Land, Leute, Kultur und Pasta standen im Mittelpunkt der Reiseplanung. So war auch ein dreitägiger Aufenthalt in der ewigen Stadt Rom vorgesehen.

Auch meine Mutter hatte das Reisefieber gepackt und sie teilte sich mit Noah die Rücksitzbank unseres vollbepackten BMW´s.

Die erwartet lange Autofahrt verlief ohne Probleme und wurde nur einmal in Pisa unterbrochen. Eines der bekanntesten Bauwerke überhaupt, der schiefe Turm, war das Objekt unserer Begierde. Schon so oft waren wir auf dem Weg nach Elba an Pisa vorbeigefahren ohne der historischen Stadt Beachtung zu schenken. Die Turmspitze neigt sich ca. 5m nach Süden, was weit spektakulärer ist wenn man davor steht als man es auf Fotos zu sehen bekommt.

Der Überlieferung nach führte der berühmte Mathematiker Galileo Galilei zahlreiche Experimente durch, bei denen er verschiedene Gegenstände vom Schiefen Turm von Pisa fallen ließ und die Zeit ihres Falls maß.

Nach dem der Turm lange Zeit wegen Einsturzgefahr für Touristen nicht zugänglich war kann man heute wieder Jungwissenschaftler beobachten, die von der überhängenden Seite herunterspucken.

Als wir kurz vor 18 Uhr in Piombino an der Autofähre nach Elba eintrafen, begann es bereits zu dämmern, auf der Insel angekommen war es Nacht. Die Saison ist schon seit Anfang Oktober beendet und man begegnet nur sporadisch Touristen auf der Strasse. Auch haben viele Restaurants und Geschäfte geschlossen, was einige abschrecken mag, doch die damit verbundene Ruhe war für uns ganz reizvoll.

Die Bungalows der Mandel-Residence in der Morcone Bucht - Capoliveri waren wie schon so oft unser Quartier und so ist die Ankunft immer ein bisschen wie nach Hause kommen.

Gegen alle Prognosen war das Wetter sonnig und warm auf der Insel. Der permanente Wind aus Süden hatte das Meer aber aufgepeitscht, so dass an Tauchen an der Südküste nicht zu denken war. Wir wollten abwarten und nachholen was in den letzten Jahren meist zu kurz kam, nämlich die Sehenswürdigkeiten über Wasser besuchen.

Der wohl berühmteste Gast auf Elba war Napoleon. Der neunmonatige Aufenthalt des in Russland gescheiterten Feldherren ist heute immer noch ein Zugpferd des Fremdenverkehrs. Vor allem die "Villa dei Mulini" in Portoferraio, in der Bonaparte unter anderem wohnte, ist sehenswert. Es gibt aber auch Restaurants die damit werben „Hier hat Napoleon nie gesessen“.

Elba ist wunderschön, auch wenn im Herbst die Tage kürzer werden. Die Sonne im Meer versinken sieht man nur an der Westküste, jedoch kann man mit dem Auto die Insel in 1 einer Stunde durchqueren. Immer wieder entdeckt man idyllisch gelegene Orte, die wirken als seien sie gemacht um Touristen in verklärtes Schwärmen zu versetzen. Romantik mit der unser Sohn Noah nicht wirklich was anzufangen wusste. Für einen Vierjährigen ist es eben spannender auf alten Kanonen zu sitzen oder Steine ins Meer zu schmeissen.

Der Südwind hat nicht nachgelassen. Auf einer Insel hat man jedoch den Vorteil an die Nordküste zu fahren zu können, die durch die beachtlichen Berge Elbas im Windschatten liegt. Silke, die deutsche Tauchlehrerin im Mandel Diving Center Morcone gab uns den Tipp, während sie Birgits Pressluftflasche füllte, es in St. Andrea zu versuchen. Das Meer dort im Nordwesten Elbas sei ruhig und klar. Als wir dort ankamen hatte sich das Wetter zugeschlagen und es begann zu regnen. Ideal also um Tauchen zu gehen, den alles andere macht im Regen keinen Spaß.

Wir mussten nur wenige Meter schwimmen bis der Meeresgrund dann beachtlich abfiel. Schade nur das die aufgezogenen Wolken auch die Unterwasserwelt etwas verdunkelte, was wiederum vermutlich nur einen Unterwasserfotografen stört. Schon nach wenigen Minuten entdeckte ich einen Sepia über dem Seegras schweben, der sich zu meinem Erstaunen beliebig oft Ablichten ließ.

Wir hatten zuvor noch nie Anfang November in Elba getaucht, doch waren wir beide angenehm überrascht. Die Wassertemperatur lag noch bei 21 Grad und mir schien es als sei mehr Fisch im Wasser zu sehen als über die Sommermonate. Als wir wieder aus dem Wasser kamen, regnete es in Strömen, was aber das schöne Taucherlebnis nicht schmälerte. Und wir konnten doch Elba nicht wieder verlassen ohne getaucht zu haben.

Dienstagmorgen haben wir dann mit der Fähre die Insel wieder hinter uns gelassen und dem Weg nach Rom eingeschlagen. Als wir unser Hotel in Rom erreichten, war es bereits später Nachmittag. Schon im Auto auf der Anreise durch das Stadtgebiet bekam man eine erste Vorstellung von der Fülle an Sehenswürdigkeiten die Rom wohl zu bieten hat. Unser Hotel lag sehr zentral, so das man viele der Highlights zu Fuß erreichen konnte.

Mit einem kostenlosen Stadtplan vom Hotel ausgestattet stürmten wir los. Das erste Ziel, das wir noch vor Sonnenuntergang erreichen wollten, war das Kolosseum. Es auf Bildern zu sehen ist eine Sache, davor zu stehen eine gänzlich andere. Noch vor wenigen Tagen sah ich Russell Crowe als Gladiator im gleichnamigen Film in dieser gigantischen Arena kämpfen und nun wird einem langsam bewusst, dass sich hier vermutlich noch weit größere, reale Dramen zugetragen haben. Schade nur das große Teile des Bauwerks dem Raubbau für Kardinal- und Papstgebäude zum Opfer vielen.

Während wir in Elba das Gefühl hatten die einzigen Touristen zu sein, war der Platz am Kolosseum noch bei Dämmerung mit vielen Besuchern aus aller Welt gefüllt. Als Legionäre verkleidete Schauspieler boten sich an für Erinnerungsfotos zu posieren, natürlich gegen Euros.

Auf den Stadtplan blickend war schnell ein nächstes Ziel ausgemacht, der Trevibrunnen. Auf dem Weg dorthin passiert man unzählige weitere bemerkenswerte Bauwerke, wenn man nur wenige Tage zur Verfügung hat beschränkt man sich eben auf die Bekanntesten.

Am Fontana di Trevi angekommen, fragt man sich was mag hier erst los sein während der Hauptsaison, wenn noch in einer Novembernacht sich die Touristen am Brunnen drängen. Ein wahres Gewitter von Fotoblitzen, so das mit Stativ und Langzeitbelichtung einige Versuche nötig waren, bis ein Erinnerungsfoto richtig belichtet war. Während ich mit günstigen Lichtverhältnissen kämpfte, hatte Birgit, Noah und meine Mutter nichts Besseres zu tun als Geldstücke über die Schulter in den Brunnen zu schmeissen:-)

Als wir wieder das Hotel erreichten, taten nicht nur die Füße weh, auch die Flut von Eindrücken war erschöpfend.

Der nächste Tag war ganz dem Vatikan gewidmet. Wir brachen nach dem Frühstück wieder zu Fuß auf und erreichten nach etwa 1 Stunde die Tiberbrücken und die Engelsburg. Castel Sant´Angelo diente den Päpsten als Festung und ist von der Peterkirche auf kürzesten Weg zu erreichen.

Am Petersplatz angekommen wurde gerade eine feierliche Papstaudienz vorbereitet. Weil man deshalb nur mit einer Akkreditierungskarte den Platz betreten durfte, gingen wir gleich weiter zum Museum des Vatikan. Eine gewaltige Menschenschlange hat sich vor den Türen des Museums gebildet. Es ging dann zügiger als man angesichts der Masse von Touris erwarten konnte.

Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen. Jeder wurde durchleuchtet und am ärgerlichsten für mich, mein Stativ musste ich an der Garderobe abgeben. Wer durch die Räumlichkeiten des Vatikanischen Museums geschoben wird bekommt einen Eindruck warum sich Martin Luther von der katholischen Kirche abwandte. Kunst- und Goldschätze die es dem Betrachter unmöglich machen alles aufzunehmen.

Der Höhepunkt dann die Sixtinische Kapelle mit einem Deckenfresko an dem Michelangelo vier Jahre lang auf dem Rücken liegend gearbeitet hat. Das Werk ist einmalig und man ist als Betrachter hin und her gerissen zwischen dem Unverständnis das die Kirche derart kostbare Schätze anhäufte, und dem Wissen, dass so meisterliche Werke nur durch die Verschwendungssucht der Kirche möglich waren.

Die Papstaudienz war zu Ende und wir konnten nun auch Petersplatz und den Dom besichtigen. Auch der Petersdom ist eine zur Schaustellung von Macht. Die Dimensionen sind gigantisch 60 000 Menschen finden darin Platz. Als gelernter Holzbildhauer lag mein ganzes Interesse an der ebenfalls von Michelangelo geschaffenen Pieta. Er war 24 Jahre alt als er dieses beeindruckende Werk fertig stellte.

Die Kuppel des Doms war ebenfalls eine Entwurf Michelangelos, die nach seinem Tod von seinen Schülern fertig gestellt wurde. Über einen Lift und 330 Treppenstufen kann man in die Domkuppel hochsteigen. Diese Tortur lohnt sich in zweierlei Hinsicht. Ein faszinierender Blick aus der Kuppel auf den Hochaltar und auf dem Dach des Petersdoms ein unvergesslicher Blick auf Rom.

Die drei Tage Rom vergingen wie im Flug. Natürlich haben wir auch die Spanische Treppe, das Pantheon, oder den Mund der Wahrheit besucht, um nur einige zu nennen, aber das alles zu beschreiben würde noch viele Seiten füllen und den Rahmen hier sprengen.

Rom war und ist alle Mal eine Reise wert. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch. Der BMW wurde leider auf dem Parkplatz vor dem Hotel aufgebrochen und das gesamte Tauchequipment wurde geklaut. Na ja die beiden Bleigurte lagen noch im Kofferraum, die waren wohl zu schwer.

 
Vorlesen und malen, das Unterhaltungsprogramm für Noah während der langen Autofahrt.
Am schiefen Turm. Und ich? Schicksal eines Fotografen.
Sehr markant, der Glockenturm von Capoliveri.
Das Bett Napoleons war nicht sehr lange, dafür aber beeindruckend hoch.
Die Bucht von Sant´ Andrea, ein Tauchplatz den man nur empfehlen kann.
Ein fotogeiler Sepia, was für ein Glücksfall!
Das Kolosseum.
Fontana di Trevi, Publikumsmagnet in Rom.
Nach 330 Stufen wird man mit einem grandiosen Blick über den Petersplatz belohnt. Ein paar mm links der Bildmitte ist die Engelsburg zu erahnen.
Im vatikanischen Museum.
Michelangelos Pieta im Petersdom.
Vielleicht nicht der letzte Abend in Rom.