Da müssen wir heute noch rauf. Nach dem steilen Aufstieg zur Eisenau Alm hat man das Ziel schon vor Augen.
Das Glockengeläut der Almrinder hört man schon aus der Ferne. Wenn ein Tier verloren geht erleichtert das die Suche.
Sollten wir es  zur Schutzhütte auf dem Gipfel nicht mehr schaffen bevor es dunkel wird inspizierte Alex schon mal eine Alternative.
Die Schafbergseen sind glasklar und kalt, eine willkommene Möglichkeit die Trinkflaschen wieder aufzufüllen.
Den Himmel so nahe. Nach den Strapazen des Aufstiegs durchschritt ich glücklich und erleichtert die Himmelspforte.
Sonnenuntergang auf dem Schafberg.
Das Gipfelkreuz am Schafberg. Im Tal dahinter ruht der Mondsee.
Der Purtscheller Steig, zugegeben etwas Risikofreudig, aber das Erfolgserlebnis auch diese schwere Passage zu meistern ist unbezahlbar.
Der Attersee, im September schon etwas kühl, aber herrlich erfrischend. Der passende Abschluß einer aufregenden Bergtour.
 

Bis zur Himmelspforte und noch weiter

Ein neuer Tag beginnt. Atemberaubend schön auf dem Dach des Schafbergs 1790m.

Vor Aufregung wache ich schon vor dem Handyweckruf auf. Es ist 6 Uhr Donnerstagmorgen. Ein Tag wie jeder andere? Weit gefehlt, ich habe zusammen mit meinem Bruder Alexander die Nacht im Schutzhaus auf dem Gipfel des Schafberges 1790m verbracht. Alexander lässt sich auch nach mehrmaligen Versuchen nicht von mir wecken.

Ich hab´s eilig, ziehe meine Klamotten an, schnapp mir die Canon und mach mich auf ins Freie. Die aufgehende Sonne hinter den unzähligen Bergspitzen hat meine Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Die Seen im Tal des Salzkammergutes sind mit einer dichten Wolkendecke überzogen, hier oben, über den Dingen vermag man Hunderte Kilometer weit zu sehen. Schneebedeckte Berggipfel und Gletscher leuchten rot. Ein gewaltiges Naturschauspiel, dass ich zusammen mit einer Hand voll Gleichgesinnten inhaliere.

Mittwoch 1. September

Wie verabredet fuhren Alex und ich Mittwochmorgen los. Wie schon so oft war unser Ziel der Attersee, dessen Tiefen ich nach all den Jahren der Tauchrekorde nur zu gut kannte. Doch hatten wir nicht vor Tauchen zu gehen, allenfalls baden, und die Wetteraussichten versprachen warmes Badewetter. Wir wollten auf den 1790m hohen Schafberg, der umringt von Attersse, Mondsee und Wolfgangssee für sein Gipfelpanorama bekannt ist.

Die günstige Wetterprognose für dieses Gebiet war dann der Auslöser. Eigentlich wollten wir den Attersee vormittags erreichen, um zeitig den Aufstieg beginnen zu können. Immerhin waren es bis zum Gipfel rund 1300m Höhenunterschied, in den Tourbeschreibungen aus dem Internet waren eine Gehzeit von 4-5 Stunden veranschlagt.
Der zähe Verkehr, Umleitungen und eine ausgedehnte Kaffeepause waren der Grund weswegen wir erst mittags Unterach am Attersee erreichten. Diese Verzögerung war ärgerlich, aber da ohnehin eine Übernachtung im Schutzhaus auf dem Gipfel geplant war, fühlten wir uns nicht in Zeitnot.

Mit Rucksäcken beladen und Wanderstöcken ausgerüstet marschierten wir los. Der Weg führte Anfangs sehr moderat in ein Waldstück, doch schon nach wenigen Minuten wurde das Gelände steiler.

Auf dem hochsteigendem Serpentinenpfad boten sich gelegentlich bei lichtem Baumbestand ein wunderbarer Ausblick auf Mond- und Attersee. Als nach ca. 1,5 Stunden die letzte steile Serpentine an einem Holzgatter endet, war das erstes Etappenziel erreicht, die Eisenauer Alm 1015m.

Die Alm, auch über eine Forststraße erreichbar, wird bewirtschaftet und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Zwischen den mit Glocken behängten Rindern tummeln sich an sonnigen Tagen Wanderer und Mountainbiker um sich mit einfacher Kost zu stärken. Die Alm bietet einen imposanten Blick auf den Gipfel des Schafbergs und in Anbetracht der Verspätung haben wir den Trubel wieder schnell hinter uns gelassen.

Die breiten Wege der Alm mündeten wieder in gut markierte Pfade, die sich wieder in Serpentinen an der Bergflanke hinauf schlängeln. War der Pfad zur Alm noch gut ausgebaut und befestigt, so änderte sich das schlagartig. Auch kamen uns kaum noch Leute entgegen.

Mittlerweile war es später Nachmittag, die Schritte wurden mühsamer und Müdigkeit machte sich bemerkbar. Mein Puls lag kontinuierlich in der Fettverbrennungszone (140-160), in immer kürzeren Abständen musste ich deshalb Pausen einlegen. Wir verließen ein letztes Waldstück und es bot sich uns ein traumhafter Ausblick auf die Eisenauer Alm und den im Tal dahinter liegenden Attersee. Jedoch vor uns erhob sich die zum Teil senkrecht abfallende Felsenflanke des Schafbergs.

Waren bisher Wegzeichen an den Bäumen aufgemalt, so wiesen nun rot bepinselte, markante Steine den weiteren Pfad. Nach etwa 4.5 Stunden erreichten wir den in 1430m Höhe gelegenen Suissensee.

Der kleine See liegt in einem Kessel, der ausgetrocknet anmutet und auf die ursprüngliche Größe des Sees schließen lässt, vermutlich ein Relikt aus der Eiszeit.

Der Aufstieg war anspruchsvoller und schwieriger als ich erwartete. Einige steile Passagen brachten mich sogar schon an den Rand des motorisch Machbaren. Und noch lag das vermeidlich schwierigste Stück vor uns. Der Zeitpunkt an dem wir hätten umkehren können, um noch vor Einbruch der Nacht ins Tal zu kommen, war bereits verstrichen. Doch wir kammen dem Gipfel und unserem Nachtquartier immer näher.

Ein schmaler, steiler Steig, teilweise in den Fels geschlagen lag vor uns. Es war eben dieser letzte Anstieg der trockenes Wetter voraussetzte, denn bei Nässe würde im Besonderen für mich die Absturzgefahr ins unverantwortliche steigern. Aber auch bei den Idealbedingungen wie wir sie vorfanden, gehörte eine Portion Mut und Schwindelfreiheit dazu, die Passage zu überstehen. Die heikelsten Stellen waren mit einem Stahlseil versehen, ohne diese Hilfe hätte ich sicher wieder umkehren müssen.

Das Ende des Steiges war recht imposant anzusehen, die letzten Meter führten durch die sogenannte Himmelspforte. Eine schmale, ca. 4m hohe Felsspalte mit einem hölzernen Torbogen versehen der dem Durchgang den Namen gibt. Und in der Tat ist es so als erreichte man nach all den Strapazen den Eingang zum Himmel.

Nach 5,5 Stunden waren wir am Ziel, doch etwas Enttäuschung machte sich bei uns breit. Herrschte beim Aufstieg strahlender Sonnenschein, so war der Gipfel des Schafbergs nun in Wolken gehüllt und das erhoffte Bergpanorama blieb uns vorerst verwehrt. Während der Schafberg an der Nordflanke, zum Attersee hin fast senkrecht ca. 350m abfällt, war die Südseite, hin zum Wolfgangsee, nur mäßig steil. Das Schutzhaus steht an der höchsten Stelle des Berges.

Während des Abendessens verflüchtigte sich die Wolke am Gipfel und gab die Sicht auf das grandiosem Panorama frei. Es ist fast magisch und sehr bewegend, wenn die Sonne glühend am Horizont versinkt und einem plötzlich auffällt, wie die auf dem Berg Verbliebenen sich allesamt ins Freie begeben haben um diesem Schauspiel beizuwohnen. Für uns war es eine Art Belohnung, anschliessend fielen wir hundemüde in die Betten.

Am nächsten Morgen war die Luft erwartungsgemäß noch klarer. Über Nacht hatte sich der Dunst gelegt und den Nebel in den Tälern über den großen Seen gesammelt. Eine grandiose Kulisse für die obligatorischen Gipfelfotos. Nach dem Frühstück brachen wir wieder auf. Es gab noch einen zweiten Weg auf meiner Wanderkarte, ein ortskundiger Gast im Schutzhaus versicherte uns, dass die Route wunderbar zu begehen sei, jedoch um einiges länger dauern würde als der Aufstieg. Die Länge des Marsches sollte nicht das Problem sein, wir wollten nur den steilen und gefährlichen Passagen aus dem Weg gehen.

Auf den zum Wolfgangsee abfallenden Wiesenflanken entdeckten wir am frühen Vormittag eine Gruppe von 10 bis 15 Gämsen. Leider sind diese Bergziegen sehr scheu und so war der Zoom meiner Canon überfordert, aber mit diesem seltenen Erlebnis hatten wir, so schien es, zumindest mit Wahl der Route ein glückliches Händchen.

Der Pfad durch ausgedehnte Grasflächen wurde zunehmend steiler und ging in einen vermutlich vor Urzeiten durch Gletschereis glatt polierten Felshang über. Wieder waren an den schwierigen Stellen Stahlseile im Fels verankert, ohne die es für mich kein Weiterkommen gegeben hätte.

Dann kam der Hammer. Schon von weitem konnten wir erkennen, dass der Weg eine unerwartete Wendung nahm. Fast senkrecht ging es ca. 30m hinunter.

Ich hatte bereits ein Bild vom Purtschellersteig in einer Tourbeschreibung gesehen, aber dieses Foto konnte nicht annähern die imposante Steilheit wiedergeben die sich vor uns offenbarte. Ich schickte Alexander vor, der das Hindernis näher besichtigen sollte, stellte mich aber schon auf die Umkehr zum Gipfel ein. Alex kam achselzuckend zurück und meinte es sieht schlimmer aus als es ist. Und dann war es tatsächlich leichter als befürchtet. Wenn ich im Nachhinein das dabei entstandene Foto sehe kann ich kaum glauben den Steig überwunden zu haben.

Als wir den Mönichsee (1300m), den größten der drei Schafbergseen erreichten, führte uns der Pfad wieder bergaufwärts. 200 Höhenmeter galt es noch mal aufzusteigen, bis wir am Suissensee wieder auf den schon bekannten Pfad zur Eisenauer Alm trafen und der eigentliche Abstieg begann. Als wir die Alm gegen 14:00 Uhr erreichten lagen bereits 5,5 Stunden Fußmarsch und aufregende Kletterpassagen hinter uns.

Anders als am Vortag ließen wir uns zu einer ausgedehnten Brotzeit nieder, immer wieder lächelnd zum Schafberg hoch schauend. Gegen 16:30 Uhr haben wir dann das geparkte Auto in Unterach erreicht. Ich war völlig am Ende, aber auch Alexander waren die Anstrengungen der zwei Tage anzumerken. Weil wir nicht verschwitzt die lange Heimfahrt antreten wollten, nahmen wir beide noch ein erfrischendes Bad im Attersee.