| Myofeedback
2 – Verlauf
Nun
endlich möchte ich den bisherigen Verlauf eines Therapiekonzeptes
beschreiben, dass von Beginn an mit viel Hoffnung verbunden war.
Die Rede ist vom intentionsgesteuerten Myofeedback. Welcher
Ansatz hinter dieser Therapieform steckt, habe ich bereits in
einem Beitrag ausführlich beschrieben: Myofeedback
– Herr Franz, wir können ihnen helfen.
Vorab,
Myofeedback ist kein Wundermittel, aber die bisherigen Erfolge,
sind es allemal wert sie nun darzustellen. Wie
schon beschrieben setze ich das Gerät ein um die Funktionen
des betroffenen, rechten Arms zu verbessern, der meist im Alltag,
aber auch was die therapeutischen Möglichkeiten betrifft,
etwas benachteiligt ist.
Der
Arm mit seinem komplizierten Schultergelenk und der aufwendigen
Handmotorik ist absolut einzigartig, was den Genesungsprozess
sehr viel schwieriger macht als zum Beispiel am Bein.
Voraussetzung
für Bewegung ist die Wahrnehmung, z.B. das Wissen über
die Position der Gelenke im Raum ( Tiefensensibilität ),
ohne es optisch kontrollieren zu müssen. Also auch mit geschlossenen
Augen wissen ob der Arm gestreckt oder gebeugt ist.
Das
Myofeedback
Therapiegerät soll diese Wahrnehmung verbessern. Und tatsächlich
ist die Tiefensensibilität der rechten Schulter deutlich
besser geworden. Was für mich aber erstmal mit Schmerzen
verbunden war.
Da
die Schulter kein geschlossenes Gelenk darstellt und der Gelenkkopf
des Oberarms durch Bänder und den Muskeln des Schultergürtels
im Gelenk gehalten wird, treten nach einer Lähmung meist
Probleme auf. Man nennt das Subluxation, die gelähmten Muskeln
verkümmern und das Gewicht des Arms zieht den Oberarmkopf
aus dem Gelenk. Schmerzen sind vorprogrammiert.
Kurz
nach dem Schlaganfall war dieser "Schulterspalt" bei
mir deutlich zu beobachten, Schmerzen traten aber erst im letzten
Halbjahr auf. Ich hilt das für eine Überlastung, die
sich aus den vielen Sportaktivitäten der letzten Monate,
Lauftraining, Wanderungen, üben im Geräteraum usw. ergeben
hat. Doch auch nach einer längeren Pause waren die Schmerzen
zwar etwas schwächer, aber immer noch präsent.
In
meiner Verzweiflung kam ich sogar auf die Idee das die Myofeedback
Gerät könnte die Ursache der Schmerzen sein und hab
die Therapie dann mehrere Wochen ausgesetzt. Aber das hat sich
schnell als Sackgasse erwiesen, denn die Schmerzen sind leider
geblieben. Heute sind meine Therapeuten und ich der Meinung die
Myofeedback Therapie hat mit der Wahrnehmung auch das Schmerzempfinden
normalisiert.
Das
Muskelprofil am betroffenen Arm hat sich wieder erholt, sodass
eine Subluxation der Schulter nur noch auftritt wenn ich müde
bin. Obwohl der Arm während der Myofeedback Therapie nicht
aktiv bewegt wird, wirkt das Stimulieren der Muskel mit Reizstrom
wie ein Krafttraining.
Seit
einigen Wochen kann ich sogar den rechten Brustmuskel selektiv
anspannen, was vorher nur in einer Massenbewegung ( die ganze
rechte Seite spannt sich an ) möglich war.
Das
Bewegungsausmass und die Kontrolle des rechten Arms haben sich
auch etwas verbessert, so kann ich mittlerweile den Arm fast gestreckt
in die Horizontale heben.
Einen
anderen Menschen mit Handschlag zu begrüssen sieht nicht
mehr so ungelenk aus, wie vor Monaten. Auch die Kraft in Daumen
und Fingern hat zugenommen. War mein Händedruck zu Beginn
des Jahres noch kraftlos wird mir nun meist von Bekannten, die
ich nicht so häufig sehe, anerkennendes Staunen beigemessen,
oft mit dem Satz: “He, da hat sich aber was getan“.
Wie
mühsam diese Fortschritte sind, kann sich ein unversehrter
Mensch kaum Vorstellen. Nur meine Umfeld weiss welchen Aufwand
ich betreibe den Genesungsprozess voranzutreiben. Myofeedback
ist ein Baustein, welchen Anteil dieses Therapiekonzept an den
Erfolgen hat kann man nur schwer eingrenzen.
Meine
anfängliche Skepsis hat sich zur Anerkennung gewandelt. Meine
Erwartungen haben sich zwar noch nicht erfüllt, aber dazu
wäre eben ein Wunder nötig gewesen.
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