Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!

Heute tut mir jeder Knochen weh, denn gestern bin ich den Habmarathon in München mitgelaufen.

Die letzten Wochen vor dem Start zum 26. Münchner Stadtlauf waren ein Auf und Ab der Stimmungslage. Regelmäßig nach den langen Läufen der Vorbereitung kam es zu üblen Schmerzen an der rechten Schulter. Eine Überlastung der Muskulatur, die vor Wochen nur gelegentlich auftrat und spätestes nach einem Tag wieder verschwunden war. In der vergangenen Woche wollten die Schmerzen aber nicht mehr abklingen, ich stand kurz davor den Start in München abzusagen.

Doch dann die Idee, die Schulter mit einer Armschlinge aus elastischem Gymnastikband zu entlasten. Der Effekt war gigantisch, der rechte Arm konnte durch das flexible Gummiband physiologisch mitschwingen und die Schmerzen waren wie weggezaubert. Am Donnerstag Morgen stellte ich die simple Lösung meine Therapeuten vor und zusammen haben wir das Hilfsmittel mit einer zusätzlichen Unterarmbinde perfektioniert.

Ausgestattet mit einer Schultermanschette aus Neopren, die aussieht wie ein Top für Männer und meinem modifizierten Theraband wollte ich mich nun doch am Stadtlauf beteiligen.

Der 26. Münchner Halbmarathon wird von Sport Scheck organisiert. Start: Marienplatz - Weinstrasse - Ludwigstrasse - Galeriestrasse - Englischer Garten - Hofgarten - Weinstrasse Ziel: Marienplatz.

27. Juni 2004 – Der Halbmarathon

Birgit, Alexander und ich sind schon am Samstag nach München gereist, Dr. Urs Braumandl und meinen Physiotherapeuten Mira Liska trafen wir dann am Sonntagmorgen auf dem Weg zum Marienplatz. Der 10km Lauf, der bereits um 8:00 Uhr gestartet wurde, ging allmählich zu Ende und die letzten der 7000 Läufer kamen aus dem Englischen Garten zurück. Nun warteten wir mit weiteren 9000 Läufer auf den Start des Halbmarathons.

10:45 Uhr, die Stimmung unter den dicht gedrängten Läufern ist prächtig, laute Musik dröhnte über den Marienplatz und ein Countdown wird von 10 auf 0 zurückgezählt. Dann begann sich die wartende Masse, uniformiert mit weisen Stadtlauf - T-Shirts, langsam zu bewegen.

Wir haben uns am hinteren Ende eingereiht und es dauerte aufgrund der enormen Teilnehmerzahl, 10min bis wir die Startmarkierung passierten. Ich war vermutlich der umsorgteste Starter, da Urs, Alex, Mira und auch Birgit ein weit höheres Tempo hätten laufen können, wurden sie von mir mit zusätzliche Aufgaben betraut.

Alexander trug einen digitalen Camcorder mit um meinen Halbmarathon zu dokumentieren. Urs und Mira versorgten mich mit Getränken und Bananen. Birgit leistete mir einfach Gesellschaft und verzichtete somit auf eine bessere Endzeit.

Und es lief sehr gut. Nach und nach zogen zwar immer wieder schnellere Teilnehmer an uns vorbei, aber mein Ziel war es ja ohnehin nicht den Lauf zu gewinnen. Ankommen und das möglichst ohne Gehen war die Devise. Bis Kilometer 10 verlief alles nach Plan, ich fand einen gleich bleibenden Rhythmus und hatte, so schien es mir, noch Reserven.

Auch meine Schulter war schmerzfrei, fast ein Wunder nach den letzten Wochen. Doch dann kam der Einbruch. Bei Kilometer 14 musste ich die erste Gehpause einlegen. Das war nicht nach Plan, den noch lagen 7km vor mir. Die ersten Gedanken ans Aufgeben kamen mir in den Sinn. Da war es von Vorteil einen Physiotherapeuten im Team zu haben, ich legte mich auf den Rücken ins Gras und Mira massierte die Waden.

Es ging anschließen viel besser, aber der Effekt hielt nicht sehr lange an. Die folgenden Kilometer wurden dann eine wahre Tortur. Nicht nur, dass ich körperlich am Ende war, auch das Durchhalten erschien mir immer sinnloser.

Das Laufen wurde nun immer öfter von Gehpausen unterbrochen. Einige Teilnehmer die ebenfalls noch im Rennen waren und sich ähnlich quälten, wurden von mir im Laufschritt überholt, um sie dann in den Gehpausen wieder passieren zu lassen.

Neue Motivation kam auf als wir aus dem Englischen Garten durch den Hofgarten liefen. Ich hatte die gesamten Laufdistanz keinen Blick für die Sehenswürdigkeiten Münchens, ich habe mit den Augen die ersten 5m vor meinen Füßen wie in Trance förmlich gescannt und konnte trotzdem nicht verhindern, dass ich gelegentlich ins Straucheln geriet. Jetzt aber war klar, die Prachtbauten der Ludwigsstrasse läuten den Endspurt ein.

Nachdem ich meinen Blick kurz erhob, gelang es mir den schwarzen Zielbogen am Ende der Weinstrasse zu erahnen. Die Geräuschkulisse aus lauter Musik, Applaus und gut gemeinten Anfeuerungsfloskeln wuchs förmlich mit jedem Meter den wir zurücklegten. Als wir in den Zielraum kamen, war ich überrascht wie viele Zuschauer nach mehr als 3 Stunden noch geblieben waren um auch die Letzten mit Applaus zu belohnen.

Der Schnellste absolvierte die 21km in 01:11:49, ich kam mit Urs, Mira, Alex und Birgit fast 2 Stunden später ins Ziel. Völlig fertig und glücklich nicht aufgegeben zu haben, was zum größten Teil der Verdienst meiner Begleiter war.

Meine Endzeit betrug 03:05:15, nur 5min mehr als ich bei der Anmeldung angegeben habe, ohne die Distanz nach meinem Schlaganfall je gelaufen zu sein. Beim nächsten Mal wird das meine Richtzeit die es zu schlagen gilt und ein nächstes Mal wird es ganz sicher geben.

 
Alexander trug den Camcorder mit und machte eine Menge Videoaufnahmen. Auch die Fotos auf dieser Seite sind aus diesem Material entnommen.
Urs hielt mir im Massenstart den Rücken frei, er schleppte einen Rucksack mit Getränkebeutel, damit war immer für ausreichend Flüssigkeit gesorgt auch abseits der Verpflegungspunkte.
Auch für Birgit war es der erste Halbmarathon.
Als ich mit meinen Kräften am Ende war, versuchte Mira mein Physiotherapeut mich wieder fit zu machen.
Nach 3std 5 min war es geschafft. Zieldurchlauf dokumentiert von Alexander, der laufende Kameramann. Von rechts: Birgit, Urs Braumandl, ich und Mira Liska