Die Seite Risiko liegt mir besonders am Herzen. Obwohl ich während meiner aktiven Apnoe-Zeit bis zum Unfall im Sommer 2002 selbst keinen Tauchunfall erleben musste, war das Apnoetauchen in meinen Augen ein Extremsport mit Risiko. Die plötzliche Ohnmacht im Wasser, die man häufig bei Wettbewerben beobachten kann und die auch mir schon einige Male wiederfahren ist, hielt ich für die grösste Gefahr.

Als ich in jungen Jahren mit dem Tauchen begann, war ich oft alleine im Wasser. Ich wusste nichts vom „Black Out“ und ich hatte offensichtlich Glück. Einige Freitaucher haben diese Unwissenheit mit dem Leben bezahlt. Aufgeschreckt durch den ersten tötlichen Unfall, begann man die Trainingstauchgänge zu überdenken. Der Sicherungstaucher wurde zur Lebensversicherung.

Ich scharte ein Team von erfahrenen Gerätetauchern um mich, die mir in einer Notsituation helfen konnten. Mein Bruder an der Wasseroberfläche sollte mich die letzten und kritischen Meter zur Oberfläche begleiten und bei der Vorbereitung und Durchführung der Rekordversuche war auch ein Tauchmediziner vor Ort, um im Falle eines Falles schnell und kompetent helfen zu können.

Nur der sogenannte Notfall trat nicht ein. In all den Jahren der Rekordjagd war es z.B. nicht ein einziges Mal notwendig bei einem der zahlreich in der Tiefe wartenden Sicherungstaucher um Atemluft zu bitten.

Die schmerzlichste Verletzung war ein Sonnenbrand. Dieser Umstand und mein Hang zur Perfektion, wenn es um technische Notfallmittel ging wiegten mich in Sicherheit. Geschockt und ernüchtert zugleich musste ich nach meinem Unfall am 21. Juli 2002 leider erkennen, dass es keine absolute Sicherheit bei diesem risikoreichen Extremsport gibt.

Nur einige Monate später, verunglückte die französische Freitaucherin Audrey Mestre tödlich beim Versuch nochmals 2m tiefer zu tauchen als beim letzten Tauchgang ( - 170m ). Dieses Unglück und mein Unfall lösten erneut Diskussionen in der Apnoe-Szene aus.

Viele Beinahenotfälle oder symptomatisch ähnliche Unfälle wie bei mir, über die man bisher nicht gerne gesprochen hatte, kamen plötzlich ans Tageslicht.

Apnoetauchen und Caissonkrankheit

Eine ausführliche Studie über Dekompressions- ähnliche Symptome bei Freitauchern liegt aus Japan vor, nachzulesen im: Journal of Occupational Health 2001

Befragt wurden 16 Perlentaucherinnen sog. „Ama“ auf der Insel Mishima im Südwesten Japans. Das Durchschnittsalter betrug 46 Jahre und alle begannen im Alter von 16 Jahren mit dem professionellen Tauchen. Die Frauen verbringen in der Regel 4-5 Stunden am Tag im Wasser. Dabei tauchen sie 20-40 mal in der Stunde in Tiefen zwischen 10-30 Meter.

Drei der 16 Frauen blieben in all den Jahren nach eigenen Angaben ohne erkennbare Dekompressions-Symptome, darunter auch ein 44-jährige Taucherin die von allen Befragten mit 40m die größten Tiefen erreichte.

13 der Frauen klagten über Schwindelgefühl, einige über Wahrnehmungs-störungen in den Extremitäten bis hin zu Lähmungserscheinungen. Bei einer der „Ama“, die von einen 9 Jahre zurückliegenden Tauchunfall mit Lähmungen der linken Körperhälfte berichtete, wurde ein MRT ( Magnet-resonanz-Tomographie ) vom Schädel erstellt. Sieh Bild rechte.

Man kann eine deutliche Vernarbung erkennen. Ob dieser Schaden auf Stickstoffblasen zurückzuführen ist, somit also ein Dekompressionsunfall darstellt, konnte nicht geklärt werden. Ein Teil der Mediziner nimmt aber an das es bei mehrmaligen Apnoetauchgängen zur Caissonkrankheit kommen kann.

Meines Erachtens liegt das größte Risiko darin Vorgänge im Körper des Tauchers kontrollieren zu wollen, die man soweit ich weiß noch nicht vollständig überschauen kann. Alles mir Bekannte wie z.B. den „Black Out“ konnte ich glücklicherweise all die Jahre beherrschen. Das aber auch heute nicht klar ist, was mir wiederfahren ist, zeigt, dass vieles noch im Dunkeln liegt.

 
Der Blackout im Wasser kann schnell zur lebensbedrohlichen Situation werde.
Eine Notfallweste die nach meinen Vorstellungen gefertigt wurde. Aber auch technische Rettungsmittel können unter umständen im Notfall versagen.
Tauchmediziner vor Ort können schnell und kompetent helfen. Eine funktionierende Rettungskette muss für Athleten  und  Sicherungstaucher bereitstehen.
Die „Amas“ tauchen schon seit Jahrhunderten nach Perlen. Es sind nur Frauen die so ihren Lebensunterhalt bestreiten. In der japanischen Gesellschaft genießen sie hohe Anerkennung.
Deutlich zu sehen, die entstandene Narbe war verantwortlich für die neurologischen Ausfälle der japanischen Taucherin.